Pressestimmen

Meinung Anderer

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"Die Deutschen haben fast eine Generation nach dem Mauerfall Joachim Gauck verdient. Er ist der ,Präsident der Herzen' und er ist der Qualifizierteste. Angela Merkel hat sich die Chance nicht entgehen lassen, die Murkelei selbst zu beenden und dem Besten den Weg ins Schloss Bellevue zu öffnen. Es ist ein frischer Wind, der durch die Politik weht. Die Sache steht plötzlich über der Taktik. Und die Kanzlerin erkennt: Souveränität ist die schönste Form der Macht. Die Personalie Gauck ist mehr als eine Personalie. Es ist eine Chance für einen neuen Politikstil."

Süddeutsche Zeitung

"Joachim Gauck ist ein geschickter und verbindlicher Mann, seine Stärke ist das predigerhafte Pathos, das aber thematisch sehr schmalspurig ist. Er ist kein einfacher Kandidat, er ist einer, der emotional denkt, emotional redet und bisweilen auch emotional handelt. Er wird ein schwer kalkulierbarer Präsident sein, er wird für Irritationen sorgen."

Mitteldeutsche Zeitung

"Man darf jetzt nicht zu viel von ihm erwarten. Er wird kein Präsident der Ostdeutschen sein. Das passt nicht zu diesem Amt und dem Selbstverständnis von Joachim Gauck. Wenn sich SPD-Generalsekretärin Nahles mit der Wahl Gaucks "eine Erneuerung der Demokratie" erhofft, so muss ihn das über-fordern. Das ist für einen Bundespräsidenten zu viel. Wer jetzt die Maßstäbe so hoch ansetzt, wird später enttäuscht sein."

Die Welt

"An Pointen ist diese Nominierung nicht arm. Es waren die Erzfeinde der Opposition, die Liberalen, die deren Lieblingskandidaten am Ende durchgesetzt haben. Und so inbrünstig nun alle herausstreichen, wie beglückt sie über den Kandidaten Gauck sind - sie werden noch erleben, dass dieser Mann seinen eigenen Kopf hat und auf eine gute Art nicht berechenbar ist."

Neue Zürcher Zeitung

"Etliche Beobachter werden Merkels Einlenken als Niederlage deuten. Doch das ist nicht zwingend. Dass Gauck ein sehr valabler Kandidat sei, hatte die Regierungschefin bereits das letzte Mal eingeräumt, und viele Bürger werden ihr Einlenken ganz im Gegenteil als Zeichen der Größe interpretieren: Sie kann es sich leisten. Viel wichtiger für Merkel dürfte der Umstand gewesen sein, dass Gauck kein Mann des politischen Establishments ist. Er ist ungebunden, gescheit, frech und ideenreich - und damit war er Merkel, der Biederen, wohl zu unberechenbar."

Rheinische Post

"Die Nominierung des Ex-Bürgerrechtlers Joachim Gauck zum gemeinsamen Bewerber für das Amt des Bundespräsidenten ist für Kanzlerin Merkel eine doppelte Niederlage. Erst musste ihr Kandidat Christian Wulff vorzeitig abtreten. Nun gab sie sich einer Phalanx aus SPD, Grünen und FDP geschlagen. Doch Merkel dürfte wie im Fall der Energiewende die Niederlage doch noch in einen Vorteil für sich umwandeln, auch wenn es sie sichtlich Überwindung gekostet hat, den zuvor von ihr abgelehnten Kandidaten Gauck zu akzeptieren. Tatsächlich ist er die Wahl, die dem gegenwärtigen Status quo am wenigsten schadet."

Neue Osnabrücker Zeitung

"Das Ergebnis bedeutet einen Gesichtsverlust für Angela Merkel, die den einstigen Gegenkandidaten zu Christian Wulff verhindern wollte. Dass ihr dies nicht gelang, sollte nicht überbewertet werden. Am Ende stand, gerade noch rechtzeitig, die Einigung. Dass die Kanzlerin nachgab, entspricht ihrem pragmatischen Stil: Ihre Ablehnung hätte niemand verstanden und sie wäre Keimzelle latenter Unzufriedenheit mit jedem anderen Kandidaten gewesen."