Ablauf

Die Chronologie einer beispiellosen politischen Affäre

Ständig gab es neue Details: Die Berliner Morgenpost dokumentiert die wichtigsten Ereignisse der Affäre Wulff.

2008: Wulff erhält von Edith Geerkens, der Frau des mit Wulff befreundeten Osnabrücker Unternehmers Egon Geerkens, einen Privatkredit über 500 000 Euro für den Kauf eines Privathauses in Burgwedel bei Hannover. Er lässt sich das Geld mit einem anonymen Bundesbankscheck auszahlen, was den Vorgang verschleiert. Auch auf einen bei solchen Krediten grundsätzlich üblichen notariellen Vertrag verzichten Wulff und Geerkens.

Februar 2010: Die Grünen im Niedersächsischen Landtag wollen von Wulff, der zu diesem Zeitpunkt noch Ministerpräsident in Niedersachsen ist, wissen, welche Spenden beziehungsweise Sponsoringleistungen er in den vergangenen zehn Jahren von Geerkens erhalten hat und ob es geschäftliche Beziehungen zu Geerkens gab. Wulff verneint dies. Geerkens gilt als schillernder Unternehmer, der mit Schrott- und mit Juwelenhandel (An- und Verkauf) reich geworden ist.

21. März 2010: Der Privatkredit wird durch ein ungewöhnlich günstiges Darlehen der Stuttgarter BW-Bank abgelöst. "Der Spiegel" vermutet einen Zusammenhang mit Wulffs Einsatz für den Einstieg des VW-Konzerns bei Porsche.

12. Dezember 2011: Wulff ruft "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann an. Er hinterlässt auf dessen Mailbox eine Nachricht, mit der er versucht, auf die anstehende Berichterstattung über seinen Privatkredit Einfluss zu nehmen. Dabei nimmt er das Wort "Krieg" in den Mund. Doch "Bild" lässt sich von Wulffs Drohungen nicht beeindrucken und stellt die Frage, ob Wulff das Landesparlament 2010 getäuscht habe. Sein Sprecher Olaf Glaeseker teilt mit, Wulff habe die Anfrage korrekt beantwortet, da die geschäftlichen Beziehungen zu Edith Geerkens und nicht zu Egon Geerkens bestanden hätten.

15. Dezember 2011: Wulff räumt ein, dass es falsch gewesen sei, das Darlehen der Geerkens-Gattin in der Antwort auf die Grünen-Anfrage nicht zu erwähnen. Eine Woche später bittet er öffentlich um Entschuldigung für seinen Umgang mit den Vorwürfen. Außerdem entlässt er Glaeseker ohne Angabe von Gründen.

4. Januar: Wulff gibt ein TV-Interview, in dem er seine freundschaftlichen Beziehungen zu Unternehmern und die damit verbundenen Einladungen und Gefälligkeiten - auch Urlaubseinladungen sind inzwischen ein Thema - verteidigt und als völlig normal darstellt.

19. Januar: Ermittler durchsuchen Räume von Olaf Glaeseker. Dieser ist unter Korruptionsverdacht geraten, weil er in einem Anwesen des Unternehmers Manfred Schmidt kostenlos Urlaub gemacht hat, obwohl er in der niedersächsischen Staatskanzlei eine lukrative Veranstaltungsreihe Schmidts ("Nord-Süd-Dialog") betreute und förderte.

8. Februar: "Bild" berichtet, dass Wulff sich 2007 von dem Filmfinanzier David Groenewold den Aufenthalt in einem Sylter Hotel hat buchen und bezahlen lassen. Wulff behauptet, Groenewold das Geld in bar zurückgegeben zu haben. Problematisch an dem Vorgang ist, dass der Unternehmer zuvor eine Bürgschaft des Landes Niedersachsen erhalten hat.

16. Februar: Die Staatsanwaltschaft Hannover beantragt daraufhin die Aufhebung von Wulffs Immunität.

17. Februar: Der Bundespräsident verkündet um 11.05 Uhr seinen Rücktritt.