Kandidaten

Die Nachfolgedebatte: Von Klaus Töpfer bis Ursula von der Leyen

Die Bundesversammlung wählt - spätestens 30 Tage nach Ausscheiden des Staatsoberhaupts. Das wäre der 18. März, ein Sonntag. Die Bundesversammlung besteht aus den Mitgliedern des Bundestags und derselben Anzahl von Mitgliedern, die die Landtage bestimmen.

Bei 620 Bundestagsabgeordneten hätte sie also 1240 Mitglieder. Derzeit hätte die schwarz-gelbe Bundesregierung nach einer Hochrechnung des Internetportals wahlrecht.de eine Mehrheit von 622 bis 624 Sitzen. SPD und Grüne kämen zusammen auf 475 bis 477 Stimmen.

In Berlin dreht sich derweil das Kandidaten auf Hochtouren. Kanzlerin Angela Merkel sogrte höchstpersönlich dafür, dass das Rennen als ziemlich offen gilt. Die CDU-Chefin will auch mit SPD und Grünen beraten. Diese Kandidaten werden bisher diskutiert:

Joachim Gauck (parteilos) Der frühere Pastor und DDR-Bürgerrechtler war so etwas wie der "Sieger der Herzen" bei der Präsidentenwahl 2010, die er erst im dritten Wahlgang gegen Wulff verlor. Der heute 72-Jährige machte sich einen Namen mit der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit. Gauck wird auch bei Union und FDP geschätzt. Das Verhältnis zu Merkel gilt als schwierig. In Koalitionskreisen heißt es, wenn Merkel Gauck nähme, wäre es das Eingeständnis, mit Wulff aufs falsche Pferd gesetzt zu haben. Gauck sagte über sein Verhältnis zu Merkel: "Wir mögen uns, aber wir sagen Sie zueinander."

Ursula von der Leyen (CDU) Heiß gehandelte Kandidatin für das Amt der ersten Frau im Staate war die 53-Jährige schon einmal, als es um die Nachfolge des abgetretenen Präsidenten Horst Köhler ging - dann wurde es Wulff. In Erinnerung blieb aber, wie die Tochter des früheren niedersächsischen Regierungschefs Ernst Albrecht mit ihren Chancen gestenreich kokettierte. Dass die siebenfache Mutter und Ex-Familienministerin noch nicht am Ende ihrer Ambitionen angelangt ist, gilt jedoch als wahrscheinlich. Als CDU-Vize meldete sich die Niedersächsin zuletzt etwa auch zur Zukunft Europas zu Wort.

Klaus Töpfer (CDU) Der frühere Umweltminister gilt seit Jahren als "Öko-Papst" und respektabler Präsidenten-Kandidat. Auf die Frage, ob er wolle, sagt der in Schlesien geborene 73-Jährige nur: "Dieses Thema ist von mir nicht zu erörtern." Bei SPD und Grünen hat er rund um den Atomausstieg gepunktet. Töpfer war einer der zwei Chefs der von Merkel nach dem Gau von Fukushima ins Leben gerufenen Ethikkommission. Töpfer hat bei Union und FDP aber nicht nur Freunde. FDP-Chef Philipp Rösler nannte ihn "konservativen Weltverbesserer".

Thomas de Maizière (CDU) Der Merkel-Vertraute gilt als Tausendsassa und Profi. Finanzen, Justiz, Inneres, Verteidigung - er hat schon viele Ministerämter auf Landes- und Bundesebene erfolgreich gemanagt. Nach dem Rücktritt Karl-Theodor zu Guttenbergs (CSU) brachte er geräuschlos die schwierige Bundeswehr-Reform auf den Weg. Sollte Merkel ihn fragen, würde der 58-Jährige wohl kaum ablehnen. Er ist mit Leib und Seele Preuße und Beamter. Merkel kennt de Maizière seit Wendezeiten. Später sei ein Verhältnis "tiefen Vertrauens" erwachsen, sagte de Maizière einmal.