Körpersprache

"Die Körperhaltung zeigte klar: Ich bin erleichtert"

Was für eine Veränderung: Noch bei seinem Fernsehinterview am 4. Januar, als Christian Wulff Ulrich Deppendorf (ARD) und Bettina Schausten (ZDF) Rede und Antwort stand, sah er erschöpft aus, unsicher.

Körpersprache-Experte Stefan Verra entdeckte einen unsouveränen, defensiven, gar ängstlichen Bundespräsidenten. Jetzt dagegen trat Wulff anders auf. Erschöpft sah er auch diesmal aus, trat mit starker Muskelanspannung vor die Presse. "Er stand sehr unter Druck, als er reinkam, war sehr angespannt, der Blick ging nach unten - ein Zeichen für Verdrängung, Wulff wollte das alles nicht", sagt Verra. "Er hat sich dann aber schnell gefangen." Die Körperhaltung sei aufrechter gewesen, nicht so zusammengesunken wie Anfang Januar.

Im Verlauf der Rede sei er immer ruhiger geworden. "Anfangs hat Wulff das Manuskript immer hin und her geschoben, zum Schluss waren die Hände viel offener", sagt Verra. Auffällig: Bei den klaren Worten "Ich trete zurück" habe Wulff in die Kameras geschaut, "das war seine eigene Entscheidung, das hab ich ihm auch geglaubt", sagt der Körpersprache-Experte. Als er sagte, er habe sich in seinen Ämtern stets rechtlich korrekt verhalten, schaute Wulff allerdings nicht auf, "möglicherweise ein Zeichen, dass er unsicher ist, was da kommt".

Als Wulff dann den Raum verließ, hatte er mehr Schwung in den Armen, war deutlich lockerer. Für Verra das Zeichen, das eine große Last von ihm abgefallen ist. "Die Körperhaltung zeigte klar: Ich bin erleichtert."

Interessant fand Verra Frau Wulff, die während der Erklärung in hochhackigen Schuhen neben dem Bundespräsidenten auf dem schmalen Podest stand. "Sie ist deutlich dynamischer beim Eintreten, steht dann frei neben ihm, mit den Händen hinter dem Rücken und einem leichten Lächeln, nicht unsympathisch." Fast wirke es, als erfülle Wulff, was sie gesagt habe, sagt der Körpersprache-Spezialist. Verras Schluss aus dem kurzen Auftritt: "Sie ist sehr bestimmend in der Causa und der Beziehung."