Winter

In der Suppenküche wird allen Besuchern wieder warm

Ein Kessel mit Nudeln steht im Gemeindesaal. Daneben einer mit Tomatensoße und Hackfleisch. Die Schlange der Wartenden reicht bis in den Flur. Sie stellen sich geduldig an - der 43-jährige Wolf, seit Jahren arbeitslos, die 64 Jahre alte Christel, die nur wenig Rente bekommt, und der beleibte Daniel, auch er ohne Job. Die Tische im Saal der Lietzensee-Gemeinde in Charlottenburg sind in diesen Tagen besonders dicht besetzt.

Bis zu 80 Menschen kommen zum Mittagessen in das Haus an der Herbartstraße. Die Suppenküche öffnet von Montag bis Mittwoch, von 12 bis 14 Uhr. Wolf, gelernter Bäcker, wohnt ganz in der Nähe, an der Kantstraße. Einer Krankheit wegen könne er nicht mehr in seinem Beruf arbeiten, erzählt er. Mal war er in einer ABM eingesetzt, mal hat ihn das Jobcenter beschäftigt. Doch jetzt hat er gerade nichts zu tun. So kommt der 43-Jährige montags, dienstags und mittwochs zum Mittagessen in die Lietzensee-Gemeinde. Donnerstags und freitags geht er zur Malteser Suppenküche. Aber am Lietzensee gefällt es ihm besser. "Der Raum ist größer", erzählt Wolf. "Und man kriegt hinterher einen Kaffee." Das Essen hat ihm geschmeckt. Aber die erste Portion ist knapp ausgefallen. Doch heute reicht es für alle. Deshalb gibt es sogar Nachschlag.

Manchmal, so erzählt Wolf, dürfe er sich Essen mitnehmen, wenn etwas übrig ist. "Das friere ich ein, dann habe ich auch am Wochenende etwas Warmes zu essen." Wolf trifft in der Suppenküche viele Bekannte. Den beleibten Daniel kennt er aus einem Kirchencafé, in dem man für 50 Cent frühstücken kann. Im Gemeindehaus am Lietzensee sitzen sie oft zusammen und reden. An den Wänden hängen Bilder mit rosa und weißen Blüten, vor grünem oder blauem Hintergrund. Ein Klavier steht an der Wand, mit Notenständer. Die Lampen verbreiten Helligkeit.

Auch die Helfer kommen gern. Gisela Thiele-Potschies, 76 Jahre alt, ist seit 1997 dabei. Sie teilt Essen aus und hilft beim Abwaschen. "Wir sind ein tolles Team", findet Anita Schröder. Die 74-Jährige steht am Garderobentisch und sortiert gespendete Jacken, Mützen und Schals. Wer vom Essen kommt, geht an ihrer "Boutique" vorbei und guckt, ob er etwas Passendes findet. Wolf deutet auf seine Skijacke: "Die ist toll, die habe ich hier bekommen." Christel, die Rentnerin, hält einen lilafarbenen Schal an ihre Jacke. "Der passt", findet sie. Die Gäste gehen, die Helfer bleiben noch. Die Tische sind abzuwischen, der Saal ist zu fegen. Der nächste Tag in der Suppenküche kann kommen.