Interview

"Keine Auswirkung auf den Frühling"

Simon Hölzl ist Meteorologe bei Meteomedia in der Schweiz. Jule Bleyer hat mit ihm über die Kältewelle gesprochen - und darüber, ob der Frühling jetzt auch erst verspätet zu uns kommt.

Berliner Morgenpost: Herr Hölzl, was ist da gerade los mit unserem Wetter? Warum ist es plötzlich so eiskalt?

Simon Hölzl: Das ist eine sehr spannende Wetterlage, die wir gerade haben. Über dem Norden liegt ein Hoch, der Ostwind bringt die sehr kalte und trockene Luft aus Russland und Sibirien zu uns. Dort gibt es weite schneebedeckte Landmassen, über denen die Luft stark abkühlt. Und da die Wettersysteme sich kaum bewegen, kommt immer weiter kalte Luft zu uns.

Berliner Morgenpost: Das heiß, man kann wirklich von sibirischer Kälte sprechen?

Simon Hölzl: Wenn wir so wie jetzt Ostlagen haben, kommt die kalte Luft schon aus sibirischer Richtung - wenn auch vielleicht nicht konkret aus Sibirien. Ich bevorzuge eh den Begriff kontinentale Kaltluft, da ist es egal, woher diese genau kommt.

Berliner Morgenpost: Sie sagen, über uns liegt ein Hoch - warum schneit es dann?

Simon Hölzl: Das Hoch - ein Kältehoch in diesem Fall - bringt uns zunächst einmal sehr trockene Luft und Sonne, das stimmt. Doch bei den Hochs gibt es immer auch ein Problem, und das ist der Nebel. Wenn wir Nebel haben und es kalt ist, kann es aus dem Nebel heraus schneien. An den Küsten im Norden Deutschlands nimmt die kalte, trockene Luft zudem über der See Feuchtigkeit auf und gibt sie an Land in Form von Schnee ab - jedenfalls wenn es sehr kalt ist. Das beobachten wir derzeit.

Berliner Morgenpost: Alle sprechen von Megakälte und extremer Eiszeit - wie besonders ist das Wetter denn gerade wirklich?

Simon Hölzl: Nein, die Temperaturen liegen für diese Jahreszeit in der Norm. In den vergangenen zwei Wintern war es ja auch sehr kalt. Ich denke, die Wahrnehmung liegt einfach an der schnellen Umstellung vom milden Schmuddelwetter zur Kälte. Die Wetterlage hat sich umgestellt, vorher kam die Luft vom Nordatlantik, also vom Meer, jetzt kommt sie wie gesagt vom Kontinent und ist damit automatisch kälter. Und der Wind verschärft das natürlich.

Berliner Morgenpost: Wie geht es denn nächste Woche mit dem Wetter weiter?

Simon Hölzl: Es sieht so aus, dass sich die Wetterlage im Groben nicht ändert. Ein hoher Luftdruck über Nordeuropa und ein tiefer Luftdruck im Süden Europas, dort dann auch mit heftigen Niederschlägen. Rund um Berlin werden ab Dienstag wohl auch mehr Wolken kommen, aus denen sich dann vielleicht auch Schnee ergeben kann. Die Kälte geht aber auf jeden Fall erst mal weiter.

Berliner Morgenpost: Da der Winter jetzt erst so spät kommt - heißt das, dass der Frühling dieses Jahr auch später kommt?

Simon Hölzl: Das Wetter lässt sich nicht auf so einfache Formeln reduzieren, auf den Frühling wird der jetzige Kälteeinbruch also keine Auswirkungen haben. Die Tage werden ja auch langsam länger, und die Sonne bekommt mehr Kraft, damit wird es dann auch wärmer. Eines jedenfalls kann ich mit Sicherheit vorhersagen: Der Frühling wird kommen.