Revolutionäre

In Ägypten ist Fußball besonders gewalttätig - und hochpolitisch

Am 25. Januar 2011 mischten sich junge Fans des Kairoer Traditionsklubs al-Achly unter die Revolutionäre am Kairoer Tahrir-Platz.

Sie galten als treibende Kraft der Demonstrationen, sich selbst nannten sie die Speerspitze der Revolution. "Wir wollten keine Märtyrer sein, aber Ultras sind nun einmal anders als viele der anderen jungen wütenden Ägypter: Wir haben keine Angst vor der Polizei, denn schwingende Knüppel und Tränengas sind für uns nichts Neues", erinnerte sich der Ultra-Sprecher von al-Achly, Amr Fahmy, im vergangenen Frühjahr in dem Fußballmagazin "11 Freunde". "Es war ganz selbstverständlich, dass wir ganz vorne mit dabei waren, als die Menschen auf der Straße kämpften."

Nach dem tödlichen Ende des Fußballspiels in Port Said erinnern sich nun viele bei Facebook und Twitter an die Auftritte der Ultras bei den Massenprotesten, die zum Sturz von Präsident Husni Mubarak führten. Auch an den vielen Protesten gegen den regierenden Militärrat im vergangenen Jahr beteiligten sich Ultra-Fans des wohl bekanntesten Fußballteams Ägyptens regelmäßig. "Die Generäle haben sich jetzt gerächt", twitterten viele.

In wohl kaum einem anderen Land ist der Fußball so politisiert wie in dem von Geheimdienst und Militär kontrollierten Ägypten. Die Funktionäre pflegen hier allzu oft eine geradezu symbiotische Nähe zu den Herrschern: Die Hälfte der 16 Erstligaklubs ist nach Recherchen der Zeitung "Le Monde diplomatique" im Besitz des Militärs, der Polizei, Ministerien oder Provinzregierungen. Und die meisten Fußballstadien des Landes seien von Baufirmen errichtet worden, die dem Militär gehören.