Der Rockerkrieg

Freisprüche im Frankfurter Rocker-Prozess

Mehrere Jahre hatten die Ermittlungen gedauert, doch nach sechs Verhandlungstagen stand das Urteil des Landgerichts Frankfurt (Oder) fest: Der sogenannte Rocker-Prozess endete mit einem glatten Freispruch. Die Staatsanwaltschaft konnte keine ausreichenden Beweise dafür vorbringen, dass die beiden jeweils 28 Jahre alten Angeklagten an einem brutalen Überfall in der Nacht des 21. Juni 2009 in Finowfurt (Barnim) beteiligt gewesen waren.

Die damals mit Macheten, Messern und Baseballschlägern angegriffenen und zum Teil lebensgefährlich verletzten vier Mitglieder der Brigade 81, Unterstützer der Hells Angels, schwiegen im Wesentlichen vor Gericht. Auch weitere Zeugen aus dem Milieu gaben sich schweigsam oder verwiesen auf gravierende Erinnerungslücken. Schließlich ist es unter Rockern - egal welchen Klubs - ein ungeschriebenes Gesetz, nicht mit Polizei und Justiz zusammenzuarbeiten. Auch wenn es, wie in diesem Fall, um versuchten Totschlag geht.

Anwohner, die durch den Lärm bei dem lautstarken Angriff mitten auf einer Straßenkreuzung in Finowfurt aus dem Schlaf geschreckt worden waren, beobachteten lediglich mehrere mit Sturmhauben maskierte und martialisch bewaffnete Männer, die auf ein Auto und dessen Insassen einschlugen und -stachen. Die Angreifer, die den Bandidos zugerechnet werden, flüchteten erst, als die Polizei kam. Zu identifizieren war trotz jahrelanger Ermittlungen inklusive Observationen und Telefonüberwachungen keiner der Täter. "Die rechtsstaatliche Konsequenz ist ein Freispruch - ohne Rücksicht auf die Erwartungen der Öffentlichkeit", resümierte der Vorsitzende Richter Matthias Fuchs. Die beiden Angeklagten nahmen das Urteil breit grinsend auf, die Anhänger der Rockerklubs im Publikum quittierten den Freispruch mit einem mehrstimmigen, triumphierenden "Ja".

Zuvor hatte Anklagevertreter Stephan Golfier ein leidenschaftliches Plädoyer dafür gehalten, den Rockern bei ihren brutalen Revierkämpfen nicht das Feld zu überlassen. Und sich nicht mit deren Aussageverweigerung zufriedenzugeben. "Wenn die Zivilgesellschaft sich nicht mehr einmischt, entstehen immer größer werdende rechtsfreie Räume", sagte Golfier. Wer Probleme habe, gehe damit künftig nicht mehr zur Polizei, sondern zu den Rockern. "Dann haben wir hier bald mafiöse Zustände wie in Sizilien."

Der Staatsanwalt hatte mehrjährige Haftstrafen wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung beantragt, wohl wissend, dass er sich mit seiner Beweisführung auf dünnem Eis bewegte. Dennoch kündigte er nach der Urteilsverkündung Revision an.