Bundesverdienstkreuz

Um die Bildung verdient gemacht

Annette Schavan wollte es sich nicht nehmen lassen, ihrem langjährigen politischen Weggefährten Jürgen Zöllner das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse persönlich anzuheften.

Eben von einer Dienstreise aus China zurückgekehrt, hielt die Bundesbildungsministerin in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz dann auch die Laudatio auf den gerade erst ausgeschiedenen Berliner Wissenschaftssenator. Tatsächlich hatte Schavan Zöllner selber für diese höchste Auszeichnung vorgeschlagen, welche die Bundesrepublik Deutschland zu vergeben hat.

Dass eine überzeugte Christdemokratin das für einen "durch und durch sozialdemokratisch geprägten Politiker" (O-Ton Schavan über Zöllner) tut, kann zwar vorkommen, bleibt aber ein bemerkenswerter Vorgang. Tatsächlich haben sich die beiden Politiker in den vielen Jahren, in denen sie in der Kultusministerkonferenz um Schulstrukturen und Studienfinanzierungsmodelle rangen, nicht nur über die Parteigrenzen hinweg zusammengerauft, sondern angefreundet.

Es versteht sich von selbst, dass das allein kein Grund für das Bundesverdienstkreuz wäre. Schavan machte deshalb klar, was der Kollege aus ihrer Sicht geleistet hat. Jürgen Zöllner, der erst in Rheinland-Pfalz und danach in Berlin die Bildungs- und Wissenschaftspolitik bestimmte, habe sich "verdient gemacht um die Zukunftschancen der jungen Generation". Er habe sich auf die "hohe politische Kunst" verstanden, Kompromisse zu erzielen, dabei aber seine eigenen Überzeugungen nie aus den Augen verloren. Vor allem sei er immer der Überzeugung gewesen, "dass Veränderung möglich ist". Getragen vom Grundgedanken, dass die Hochschulen das Herz des Wissenschaftssystems seien, habe Zöllner nie aufgehört, für den Wert der Lehre zu streiten. Dabei sei er ebenso leidenschaftlich wie leidensfähig gewesen - "bis in die letzten Wochen", wie die Ministerin mit Blick auf die von beiden gemeinsam betriebene Zusammenlegung der Forschung von Charité und Max-Delbrück-Centrum betonte. Zöllner erwiderte, er könne nicht behaupten, dass ihm diese Anerkennung nicht gut tue - sie freue ihn vielmehr "unglaublich". Unter den Gratulanten waren der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD), HU-Präsident Jan-Hendrik Olbertz und Margret Wintermantel, Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz.