Vorwahlkampf

Die Tradition der Urwahlen und Urnengänge

Warum gibt es überhaupt Vorwahlen?

Die Wahl des US-Präsidenten beginnt traditionell mit den Vorwahlen. Dabei bestimmt die Basis der großen Parteien, wen sie als Kandidat ins Rennen schickt. Dieses Mal allerdings nur bei den Republikanern - bei den Demokraten ist Amtsinhaber Barack Obama bereits gesetzt. Entstanden ist das System, weil die US-Bürger bei den Präsidentschaftswahlen nicht für eine Partei stimmen, sondern über Wahlmänner für eine Einzelperson. Damit theoretisch nicht mehrere Kandidaten einer Partei gegeneinander antreten, wird einer bestimmt.

Wann sind die Vorwahlen?

Die Vorwahlen finden gestaffelt bis Sommer in den 50 Bundesstaaten statt. Start war am 3. Januar in Iowa, die letzte Vorwahl ist am 26. Juni in Utah.

Was ist der Unterschied zwischen Primary und Caucus?

Es werden grundsätzlich zwei Wahlverfahren unterschieden: Bei einer Caucus, auch Urwahl genannt, treffen sich die Parteimitglieder in kleinen Gruppen, um über die Kandidaten zu debattieren und dann abzustimmen. Das Verfahren ist zeitaufwendig und gibt örtlichen Parteiführern großen Einfluss. Die Teilnehmer beschäftigen sich jedoch sehr intensiv mit den Kandidaten. In den meisten Bundesstaaten gibt es allerdings Primaries, geheime Abstimmungen, bei denen die Teilnehmer einfach in Wahllokalen an die Urnen gehen. Stimmberechtigt sind sowohl Republikaner als auch Parteilose, Mitglieder der Demokraten dürfen dagegen nicht mitmachen. Das Verfahren wurde Anfang des 20. Jahrhunderts eingeführt, um der Basis mehr Einfluss zu geben.

Wie und wann wird der endgültige Kandidat bestimmt?

Entscheidend ist der Parteitag der Republikaner Ende August in Florida. Dort kommen 2286 Delegierte zusammen, die bei den Vorwahlen in den einzelnen Bundesstaaten ernannt wurden und proportional das Wahlergebnis aus dem Bundesstaat repräsentieren. In New Hampshire sind es beispielsweise zwölf Delegierte.

Warum ist die Vorwahl in New Hampshire so wichtig?

In New Hampshire leben nur 1,3 Millionen Menschen, ein winziger Bruchteil der 310 Millionen US-Amerikaner. Die zwölf Delegiertenstimmen, die der Staat in Neuengland zu vergeben hat, fallen bei der Kandidatenkür kaum ins Gewicht. Wie in Iowa entsteht die Bedeutung vor allem durch das große Medieninteresse am Abschneiden der Bewerber in den ersten wirklichen Tests an der Wahlurne. Der Sieger erhält dabei einen gehörigen Schwung für den weiteren Nominierungsmarathon - unter Umständen wird die Führung eines Bewerbers schon nach den Wahlen in wenigen Bundesstaaten so klar, dass seine Ernennung auf dem Parteitag nur noch eine Formalität ist. Daher investieren die Kandidaten überproportional viel Zeit und Geld in frühe Wahlkämpfe. Kandidaten, die dort hingegen schlecht abschneiden, geben oft auf.

Welche Aussagekraft hat das Ergebnis?

Die Wähler in New Hampshire haben sich oft als zuverlässiger Gradmesser für die politische Stimmung in den USA erwiesen. Bei den Vorwahlen der Republikaner wurden die meisten Sieger in den vergangenen vier Jahrzehnten tatsächlich Spitzenkandidat ihrer Partei. So erhielten Richard Nixon (1968), Gerald Ford (1976), Ronald Reagan (1980) sowie George Bush senior (1988) Auftrieb durch einen Sieg in New Hampshire. Bemerkenswerte Ausnahme ist John McCain, der 2000 die Vorwahl gewann, aber gegen George W. Bush unterlag.

Wie geht es danach weiter?

Im Januar finden noch Vorwahlen in South Carolina und Florida statt. Eine Vorentscheidung dürfte spätestens am 6. März fallen, wenn beim so genannten Superdienstag in elf Bundesstaaten gleichzeitig abgestimmt wird. Bis Ende Juni treffen die restlichen Staaten ihre Entscheidung - die Mehrheitsverhältnisse stehen dann endgültig fest. Die Kandidatenkür auf dem Parteitag der Republikaner Ende August ist dann reine Formsache.