Silikon-Skandal

40 Berlinerinnen haben einen Anwalt eingeschaltet

In der Hauptstadt haben sich weitere Frauen mit Implantaten der mittlerweile aufgelösten französischen Firma Poly Implant Prothèse (PIP) gemeldet. Jörg Heynemann, Fachanwalt für Medizinrecht, vertritt mittlerweile knapp 40 Betroffene.

Ein Drittel der Frauen habe sich die Implantate aus medizinischen Gründen, also beispielsweise nach einer Krebserkrankung, einsetzen lassen, zwei Drittel aus ästhetischen Gründen.

Darüber hinaus fragten bei Heynemanns Kanzlei 300 Frauen um Rat, die sich die Implantate in Tschechien einsetzen ließen, vereinzelt auch in Polen. "Wir können als deutsche Anwälte dort aber keine Prozesse führen", sagt Heynemann. Er prüft nun, ob eine Verlegung des Prozessortes nach Deutschland möglich ist.

Der Anwalt prüft jetzt weitere Optionen, um die Ansprüche seiner Klientinnen auf die Übernahme der Kosten einer Entfernung, möglichen Wiederherstellung, aber auch auf Schmerzensgeld geltend zu machen. Dabei sieht Heynemann als Erstes die Allianz in der Pflicht. Sie war Versicherer von PIP. "Und die BfArM hat auch gepennt", sagt der Fachanwalt. Ihr Aufruf zur Entnahme sei viel zu spät gekommen. Schließlich sei eine mögliche Gesundheitsgefährdung durch PIP-Implantate schon 2010 bekannt geworden, die Krankenkassen hätten auch darauf aufmerksam gemacht, "doch die BfArM ist nicht aktiv geworden".

Wie viele Frauen insgesamt in Berlin und Brandenburg betroffen sind, sei schwierig zu sagen, sagt Heynemann. Ein zentrales Register existiere nicht. In Berlin sind laut Senatsverwaltung für Gesundheit drei Arztpraxen und ein Krankenhaus mit den Billigbrustimplantaten des französischen Herstellers PIP beliefert worden. Die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie in Berlin weiß von ihren Mitgliedern, dass zwei Ärzte PIP-Produkte benutzt haben. Auch Heynemann weiß von sogenannten Belegärzten, die nicht an den Berliner Krankenhäusern angestellt sind, dort aber operiert und dabei PIP-Implantate genutzt haben sollen.