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Pressestimmen

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Nach der Kreditaffäre und dem Bekanntwerden des Drohanrufs bei dem Chefredakteur der "Bild"-Zeitung, Kai Diekmann, haben fast alle deutschen Tageszeitungen am Dienstag Bundespräsident Christian Wulff massiv kritisiert.

Eine Auswahl:

Süddeutsche Zeitung

"Jeder Lokaljournalist weiß, dass Abgeordnete oder Bürgermeister gerne anrufen, um unliebsame Berichterstattung zu verhindern. Doch die Mischung aus Naivität und Dreistigkeit, mit der Wulff agiert hat, bestürzt. Er ist nicht der Landrat von Osnabrück und auch nicht mehr Ministerpräsident von Niedersachsen, sondern das Oberhaupt des Staates. Dieses Amt aber ist für Wulff offenbar zu groß. ... Wulff will, so hat er kundgetan, sein Amt auch künftig ,mit ganzer Kraft ausfüllen'. Doch die Kraft, dieses Land, diese Gesellschaft zusammenzuhalten, hat er vermutlich nicht mehr. Ein Mann, der die Pressefreiheit im Munde führt, sie aber nicht respektiert, ist ein falscher Präsident."

Stuttgarter Zeitung

"Sein Krisenmanagement ist stümperhaft, ja geradezu katastrophal. Es offenbart zudem ein höchst problematisches Amtsverständnis."

Die Welt

"Selbst seinen geduldigen Verteidigern und wohlwollenden Interpreten wird jeden Tag deutlicher, wie schmerzlich Wulff auch in puncto Lebensklugheit jenes Format vermissen lässt, für das seine Vorgänger im höchsten Amt des Staates, Bundespräsidenten wie Theodor Heuss, Richard von Weizsäcker und Roman Herzog, Maßstäbe gesetzt haben. ... Für das Amt des Bundespräsidenten geeignet erscheint im Idealfall nur der Politiker, dessen natürliche Autorität der wuchtigen Aura dieses Amtes gerecht wird. Davon kann bei Christian Wulff nicht die Rede sein."

Frankfurter Rundschau

"Sein Versuch, die Arbeit einer Zeitung durch Druck auf die Führung des Hauses zu unterbinden, ist unentschuldbar."

Augsburger Allgemeine

"Wulff verspielt das Vertrauen der Bürger. In ihn selbst, aber auch in die gesamte politische Klasse. Das ist der eigentliche Skandal."

Frankfurter Allgemeine

"Was über Wulffs Äußerungen in diesem Anruf kursiert, passt zu den öffentlichen Bekenntnissen freilich so wenig wie die Finanzierung eines Hauskaufs mittels eines rollierenden Geldmarktdarlehens zur schwäbischen Hausfrau. Es passte nur zu einem Staatsoberhaupt, das von allen guten Geistern verlassen worden ist."

Thüringer Allgemeine

"Ein Bundespräsident steht nicht über der Verfassung, dieser Bundespräsident spielt mit ihr. Seit Monaten wusste er, dass Journalisten zum wundersamen Kredit seines Privat-Hauses recherchieren. Statt aufzuklären setzte er, als die Veröffentlichung drohte, die Chefs von Deutschlands größtem Verlag und größter Zeitung unter Druck. Er hat gewütet und gedroht."

Financial Times

"Nun also soll Anfang Dezember der Bundespräsident versucht haben, einen Artikel über den Geerkens-Privatkredit in ,Bild' zu verhindern. ... Wulff versteht es nicht, sein Amt angemessen auszufüllen, er ist ihm nicht gewachsen. Seine Glaubwürdigkeit ist durch die Fülle von Fehltritten belastet. Ein Mann, der das mit sich herumschleppt, kann nicht länger Bundespräsident bleiben."