Euro-Bargeld

Jede Münze hat ihre zwei Seiten

Seit zehn Jahren bezahlen wir in den 17 Ländern der Euro-Zone mit einer einheitlichen Währung. Doch nicht jedem ist angesichts des Jubiläums zum Feiern zumute. Das gilt nicht nur für diejenigen, die angeblich im Kopf immer noch in D-Mark rechnen. Diverse Deutsche wünschen sich inzwischen sogar die gute alte Mark zurück. Doch bei allen Problemen, die uns der Euro derzeit auch bereiten mag, eines ist sicher: Die Münzen haben unseren Alltag bereichert.

Jedenfalls was ihr Aussehen angeht.

Da die Rückseiten von den Euro-Mitgliedsländern individuell gestaltet werden, befindet sich in unseren Geldbeuteln eine bunte Mischung an Motiven - von gekrönten Häuptern über den deutschen Bundesadler bis zu keltischen Harfen und finnischen Singschwänen. Und rund um diese Münzen gibt es viele interessante Details, von denen die wenigsten etwas wissen dürften - wie auch, bei fast 900 Milliarden Euro an Bargeld, das in und außerhalb der Euro-Zone zirkuliert?

Wie sich die Länder an versteckten Stellen verewigen

Während die Vorderseite der Münzen einheitlich gestaltet ist, können die Euro-Staaten sowie die drei weiteren Länder, die eigene Münzen prägen (der Vatikan, San Marino und Monaco), das Rückseitenmotiv selbst bestimmen. Doch es gibt noch eine weitere Stelle, wo sie sich verewigen können: auf dem Seitenrand der Zwei-Euro-Münzen. So hat Deutschland hier die ersten Worte der Nationalhymne eingraviert: Einigkeit und Recht und Freiheit. Auf niederländischen Münzen sind die Worte "God zij met ons" (Gott sei mit uns) zu finden. Diese standen auch jahrzehntelang auf den Gulden-Münzen. Simpler ist die Beschriftung auf den Münzen anderer Länder. Meist steht dort nur der Landesname (etwa Slovenská Republika für Slowakische Republik) oder aber sogar nur "2 Euro" beziehungsweise die Zahl "2". Am schwierigsten zu entschlüsseln dürften die Zeichen auf dem Rand der portugiesischen Münzen sein. Dabei handelt es sich um die symbolische Darstellung von sieben Kastellen und fünf Wappen, die auch auf der Rückseite der Münzen zu sehen sind.

Wo Deutschland und Griechenland sich verbünden

Seit 2008 müssen alle Euro-Staaten den Namen ihres Landes auf ihre Münzen prägen, ausgeschrieben oder als Abkürzung. Die meisten machten das bereits zuvor. Zwei Staaten weigern sich jedoch bis heute, diese neue Vorgabe umzusetzen: Griechenland und Deutschland - eine seltsam anmutende Allianz. Allerdings gibt es selbst dann, wenn die Vorgabe umgesetzt wurde, keine Garantie, dass die geneigten Münznutzer immer sofort erkennen, aus welchem Land die Münze stammt. So prägen Frankreich und Italien beispielsweise nur die ineinander verschlungenen Initialen RF beziehungsweise RI (République Française beziehungsweise Repubblica Italiana) auf. Und mancher dürfte auch bei "Slovensko" auf die falsche Fährte gelockt werden. Denn dahinter steckt nicht etwa Slowenien, sondern die Slowakei, die sich in ihrer Landessprache so nennt.

Welche Münzen die Europäer gerne los wären

Wer den Pfennig nicht ehrt ... dieses alte Sprichwort steckt tief in den Deutschen drin, auch wenn es inzwischen nur noch Cent gibt. Unvorstellbar wäre es für uns daher, das Ein-Cent-Stück einfach abzuschaffen. In anderen Ländern gibt es in dieser Hinsicht weniger Bedenken. Im Gegenteil, viele Völker finden diese vielen Münzen, die ständig im Portemonnaie herumgetragen werden müssen, überaus lästig. Fast 97 Prozent der Spanier haben sich in einer Umfrage beispielsweise für die Abschaffung der kleinsten Münze ausgesprochen, in den anderen Euro-Ländern waren es kaum weniger. In Deutschland dagegen erreicht diese Idee nicht einmal eine Zweidrittelmehrheit. Nur in Finnland ist der Anteil noch geringer - das liegt aber schlicht daran, dass es dort schon keine Ein- und Zwei-Cent-Münzen mehr gibt. Finnland hat solche nie geprägt, im Alltag sind sie dort daher praktisch nicht zu finden. Dafür wären fast 20 Prozent der Deutschen gern das 20-Cent-Stück los - auch hier stehen wir allein auf weiter Flur. Der Grund dürfte schlicht sein, dass es in Westdeutschland nie ein 20-Pfennig-Stück gab.

Warum nicht alle Papst-Münzen wertvoll sind

Nicht alle Münzen haben genau den Wert, der draufsteht. Einige seltene sind deutlich mehr wert - allen voran die Exemplare aus dem Vatikan. Allerdings nicht nur deshalb, weil diese besonders selten sind. Es gibt durchaus noch seltenere Münzen, beispielsweise einige belgische aus bestimmten Prägejahren, die nur in sehr geringer Stückzahl existieren. Dennoch sind diese nicht so viel wert wie jene aus dem Vatikan. Die Stücke mit dem Abbild des Papstes sind nämlich nicht nur selten, sondern zugleich auch beliebt - das macht ihren Wert unter Sammlern aus. Doch wer demnächst an der Kasse zufälligerweise mal ein 50-Cent-Stück aus dem Vatikan als Wechselgeld erhält, sollte sich trotzdem nicht zu sehr freuen. Denn seit 2010 prägt der Heilige Stuhl 50-Cent-Münzen in einer Zahl von über zwei Millionen Stück pro Jahr. Grund ist, dass der Vatikan durch die EU verpflichtet wurde, mindestens 51 Prozent seiner Münzen, die zuvor praktisch ausschließlich an Sammler verkauft wurden, auch tatsächlich in Umlauf zu bringen. Vatikanische 50-Cent-Münzen mit Prägejahr ab 2010 sind daher genau 0,50 Euro wert, und keinen Cent mehr.

Warum es jedes Jahr neue deutsche Münzen gibt

Wenn nicht gerade neue Vorgaben die Länder dazu zwingen, das Design anzupassen, beispielsweise durch das Einfügen des Landesnamens, dann gilt: Das Aussehen der nationalen Seiten darf nicht verändert werden. Eine Ausnahme ist, wenn darauf ein Staatsoberhaupt zu sehen ist. Wird dieses durch einen Nachfolger abgelöst, so dürfen die Köpfe auf den Münzen ausgetauscht werden. Gibt es keinen Wechsel, darf alle 15 Jahre das Aussehen angepasst werden. Andere Länder, die keine gekrönten Häupter zeigen, versuchen das Verbot neuer Designs auf andere Weise zu umgehen: durch das Prägen von Gedenkmünzen. Jedes Land darf so viele Sonderausgaben des Zwei-Euro-Stücks prägen, wie es will. Vor allem Deutschland macht davon exzessiven Gebrauch, indem es jedes Jahr eine neue Zwei-Euro-Gedenkmünze herausgibt und davon rund 30 Millionen Stück prägt. Dargestellt wird darauf jedes Jahr ein anderes Bundesland, jeweils jenes, das gerade den Vorsitz im Bundesrat innehat. 2011 gab es daher eine Sondermünze mit einer Abbildung des Kölner Doms (Nordrhein-Westfalen), 2012 folgt Schloss Neuschwanstein (Bayern). Daneben geben die Euro-Staaten allerdings auch gemeinsame Gedenkmünzen heraus. Bislang waren es zwei, die erste im Jahr 2007 anlässlich des 50. Jubiläums der Unterzeichnung der Römischen Verträge zur Gründung der Gemeinschaft, die zweite 2009 zum zehnjährigen Bestehen der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Im kommenden Jahr, schon ab dem 2. Januar, folgt die dritte gemeinsame Sondermünze. Sie ist - wie sollte es anders sein - dem zehnten Jahrestag der Einführung des Euro-Bargeldes gewidmet.

Wie kaum merklich die Gestaltung verändert wurde

Die Euro-Zone hat sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich verändert. Sie wuchs von den anfänglich zwölf auf mittlerweile 17 Mitglieder. Die ersten Münzen, die geprägt wurden, bildeten jedoch nur die ursprünglichen Euro-Staaten ab. Auf den gemeinsamen Vorderseiten sind bei den Zehn-, 20- und 50-Cent-Münzen aus der Zeit vor 2007 auf der linken Hälfte daher die scharf umrissenen Silhouetten dieser zwölf Staaten zu sehen. Danach wurde jedoch, aufgrund der Erweiterung der Euro-Zone, das Design verändert. Seither ist an dieser Stelle nur noch eine Landkarte von ganz Europa zu sehen. Auch auf den Ein- und Zwei-Euro-Münzen wurde die Landkarte nach Osten erweitert. Einen Schönheitsfehler hat allerdings auch dieses neue Design: Zypern kommt darauf nach wie vor nicht vor. Es passte einfach nicht mehr drauf.