Anschläge auf Christen

Türkei

Die Lage der Christen in der Türkei kann man seit dem Machtantritt der islamisch geprägten AKP-Regierung unter Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan auf gegensätzliche Weise schildern. Einerseits ist es gefährlicher geworden, die Botschaft Christi zu verbreiten.

Im Jahr 2006 wurde der katholische Priester Andrea Santoro in seiner Kirche ermordet, 2007 mussten drei evangelikale Missionare in Malatya sterben, und im vergangenen Jahr auch der katholische Bischof Luigi Padovese. Im Prozess gegen die Mörder von Malatya zeigte sich, dass die Urheber offenbar weniger im politischen Islam als vielmehr unter extremistischen Gegnern der Regierung zu suchen sind. Die Mörder von Santoro und Padovese waren, so heißt es, "psychisch gestörte Einzeltäter". Das glaubt freilich in der Türkei nicht jeder.

Die nur rund 150 000 Christen in einem Volk von mehr als 70 Millionen Menschen sind also einerseits neuen Gefahren ausgesetzt, möglicherweise als Folge des Machtkampfes zwischen alten, am Militär angelehnten Eliten und der neuen, islamisch geprägten Führung. Andererseits gibt es Fortschritte: Reformen beim Stiftungsrecht haben die rechtliche Lage der Kirchen ansatzweise verbessert. Bei der Umsetzung hapert es jedoch oft noch.