Anschläge auf Christen

Irak

Mit am härtesten trifft es die Christen im Irak. "Wenn das so weitergeht, wird es in zehn Jahren hier keine Christen mehr gehen", prophezeit der chaldäische Erzbischof Louis Sako in Kirkuk, der reichen Ölstadt im Norden. Schätzungen zufolge hat sich die Zahl der Christen seit dem Einmarsch der Amerikaner und Briten im März 2003 bereits halbiert.

Nur noch zwei Prozent der 26 Millionen Iraker sind Christen. Viele sind vor dem Terror zunächst in die sicheren Kurdengebiete im Nordosten des Landes geflohen, viele nach Jordanien und Syrien, einige erhielten Visa für Europa, Kanada oder die USA. Im Stammland der Christen, dem Geburtsland Abrahams, sind die Christen auf der Flucht.

Zwar sind durch die verbesserte Sicherheitslage in Bagdad in den letzten Monaten wieder christliche Familien zurückgekehrt. Doch die Mehrzahl bleibt weg - für immer, wie Sako befürchtet. "Wir sind ein weiches Ziel", versucht der Erzbischof eine Erklärung, "wir haben keine Miliz, sind nicht bewaffnet." Welche Auswirkungen wird nun der Abzug der US-Truppen aus dem Irak haben? Das sei schwer vorauszusagen, sagt der Bischof. Einerseits habe man die Christen immer in der Allianz mit den ebenso christlichen Amerikanern gesehen und sie deshalb bekämpft. Andererseits hätten die Amerikaner aber auch Druck auf die irakische Regierung ausgeübt, die Christen besser zu schützen.