Anschläge auf Christen

Ägypten

Nicht einmal die Hälfte der Christen in Ägypten beteiligt sich an den laufenden Parlamentswahlen. Das ergab eine Umfrage der ägyptischen Menschenrechtsvereinigung im Vorfeld der Wahl. 40 000 Christen in fünf Provinzen wurden befragt, 67 Prozent wollen den Urnen fernbleiben.

Das kommt einer Verabschiedung aus dem politischen Leben gleich. Immer wieder entbrannten in der Vergangenheit Konflikte zwischen Kopten, den Urchristen Ägyptens, und der muslimischen Mehrheit. Meistens ging es dabei um wirtschaftliche Fehden oder familiäre Konflikte. Für Muslime ist es eine Todsünde, wenn eine Muslima sich mit einem Christen befreundet. Nicht selten sind blutige Auseinandersetzungen zwischen Familien oder ganzen Dorfbevölkerungen die Konsequenz daraus.

Doch die jetzige Spannung zwischen Muslimen und Christen ist eine andere. Seit dem Sturz Husni Mubaraks gab es vermehrt Übergriffe auf koptische Kirchen, die lichterloh ausbrannten. Wütende Proteste der Kopten, die etwa zehn Prozent der Bevölkerung ausmachen, waren die Folge. Im Oktober geriet eine Demonstration von Christen in Kairo zur Straßenschlacht mit Sicherheitskräften. Es scheint sich zu bewahrheiten, was viele Kopten vor dem Sturz des Pharao prophezeiten: "Wenn Mubarak weg ist, dann schützt uns keiner mehr."