Anschläge auf Christen

Libyen

Schon von Weitem ist der Gesang aus der St.-Franziskus-Kirche auf der Straße im Stadtteil Dahra in Tripolis zu hören. Die Sonntagsmesse ist gut besucht, was in diesem Jahr etwas Außergewöhnliches ist.

"Während der Revolution waren nur ich und mein Pfarrer hier", berichtet Giovanni Martinelli, der seit 1985 in Libyen amtierende Bischof. "Wir beide alleine mit dem Donner der Nato-Bomben, die jede Nacht auf die libysche Hauptstadt fielen." Nun sei aber alles "Gott sei Dank" vorbei. Die meisten seiner Schäfchen sind inzwischen wieder zurückgekehrt. Mehr als 120 000 Christen habe es vor dem sechs Monate dauernden Bürgerkrieg im Lande gegeben. Die meisten kamen aus den Philippinen und Schwarzafrika und arbeiteten in Krankenhäusern und auf Baustellen. Die internationale Herkunft der Gläubigen schlägt sich im Messenplan nieder: Sonntags wird in den Sprachen Englisch, Französisch, Arabisch und Filipino gepredigt.

Für die christliche Gemeinde hat sich in Libyen durch die Revolution wenig verändert. "Unter Gaddafi bekamen wir, was wir wollten. Man ließ uns völlig unbehelligt", meint der Bischof von Tripolis. Und bisher sei das so geblieben. Man blicke zurück auf ein "großes fröhliches Weihnachtsfest", fügt der in Libyen geborene Geistliche lächelnd hinzu, der im kommenden Februar 70 Jahre alt wird.