Anschläge auf Christen

Marokko

Die Evangelisten sind besonders im marokkanischen Königreich aktiv. Das Land ist, im Vergleich zu den meisten der anderen arabischen Länder, bekannt für einen liberalen wie offenen Lebensstil.

Joe, ein 34-jähriger Familienvater, ist einer dieser Missionare, die in Privatwohnungen Bibelstunden und Gottesdienste abhalten. Dass einige seiner Vorgänger verhaftet und abgeschoben wurden, stört den gebürtigen US-Amerikaner nicht. "Wenn ich nur eine neue Seele zu Gott gebracht habe, dann war es das wert", sagt er.

Nach der neu reformierten Verfassung vom Juni 2011 ist die freie Wahl des Glaubens nun jedem garantiert. Der Religionswechsel bleibt jedoch weiterhin ein soziales Tabu in einer zu 99 Prozent muslimischen Gesellschaft. Sehr leicht können die Gerichte zudem eine Verunglimpfung des Islams erkennen, was auch in Marokko unter Strafe steht. Generell können die 380 000 Christen im Königreich ungestört ihre Religion ausüben. In den großen Metropolen Tanger, Casablanca und Rabat gibt es unzählige Kirchen. Für Marokkaner bedeutet das in der Regel keinen Affront. Sie sind seit Jahrhunderten an religiöse Pluralität gewöhnt. So können israelische Staatsbürger jederzeit einreisen, um Familie und Freunde sowie die übers ganze Land verteilten Synagogen zu besuchen, die von einer langen jüdisch-marokkanischen Geschichte zeugen.