Das Beste am Dienstag

Tunesien

Im Nachbarland Tunesien, in dem der "arabische Frühling" begonnen hat, blicken die rund 25 000 Christen eher sorgenvoll in die Zukunft. Die Islamistenpartei Ennahda und deren Wahlsieg dürfte ihnen dabei am wenigsten Kopfzerbrechen machen.

Dagegen umso mehr verschiedene radikale Salafistengruppen. Unter dem gestürzten Diktator Ben Ali waren sie verboten, wurden verfolgt und eingesperrt. In der neu angebrochenen demokratischen Ära demonstrieren sie regelmäßig auf den Straßen: gegen Kopftuchverbot an der Universität, vermeintlich blasphemische Filme in Fernsehen und für einen islamischen Staat in Tunesien. Die radikalen Islamisten stürmen auch Kirchen und versuchen, sie in Moscheen umzuwandeln. Am 18. Februar, nur vier Wochen nach der Flucht des Diktators, wurde ein polnischer Priester ermordet. Mark Marios Rebaski wurde tot in der Nähe der christlichen Schule gefunden, in der er arbeitete. Das Innenministerium sprach von einer "terroristisch religiösen Gruppe mit extremistischer, faschistischer Tendenz, die hinter dem Verbrechen" stünde.

Für Christen in Tunesien war dies der wohl schrecklichste Vorfall der Nachrevolutionszeit. An Gefahren von Islamisten und an ihre anti-christliche Propaganda ist man nicht gewöhnt. Unter dem 24 Jahre dauernden Regime von Ben Ali hatten Christen religiöse Toleranz erfahren.