Berlin

Heiligabend, 18 Uhr bei ...

Für viele ist es der schönste Tag im Jahr, für manche einfach nur ein Sonnabend im Dezember: Unsere Fotografen Reto Klar und Martin Lengemann haben Berliner gebeten, uns ihr persönliches Fest zu zeigen. In der Familie, allein am Küchentisch oder unter Kollegen

Wir haben uns auf die Suche gemacht nach der Weihnachtsgeschichte. Nicht nach der, die viele Berliner an den Feiertagen in der Kirche gelesen bekommen. Sondern nach der, die die Berliner selber schreiben. Wenn sie Heiligabend die Tür ihrer Wohnung schließen, mit ihrer Familie zusammenkommen - oder das Fest ganz allein begehen. Hinter jeder Tür wartet die eine ganz persönliche Weihnachtsgeschichte. Wir haben die Berliner zur Generalprobe gebeten - und Heiligabend zumindest fotografisch etwas vorgezogen.

Dabei haben wir gesehen: Die Berliner sind erstaunlich gut vorbereitet aufs Fest. In vielen Familien wird der Baum - entgegen der Tradition - schon Tage vor dem Fest geputzt. Es werden genaue Pläne gemacht, wie die Festtage verbracht werden. Schöner und eindrucksvoller als jeder Stern auf den Tannenbäumen waren die Geschichten, die uns die Berliner über ihren Heiligen Abend erzählt haben.

An diesem Tag, so scheint es, verdichten sich die Ereignisse des vergangenen Jahres. Einige feiern ganz klassisch: Kirche, Gans, Geschenke auspacken. Wir besuchten das Paar, das gerade den ersten Sohn bekommen hat. Er ist, wie die Eltern sagen, ihnen Geschenk genug. Andere folgen den Traditionen ihrer Länder, bereiten das klassische polnische Mahl aus zwölf Gerichten vor - oder eines aus Äthiopien. Wir haben Menschen getroffen, die an Weihnachten arbeiten müssen, Polizisten, Hebammen, aber auch einen Klempner, der in Arbeitsmontur am Festtisch sitzt und hofft, dass sein Telefon nicht klingelt und er nicht noch hinausmuss. Auch in der Heiligen Nacht gibt es Wasserrohrbrüche. Weihnachten findet auch an wenig festlichen Orten statt. In der Justizvollzugsanstalt Charlottenburg zum Beispiel, wo uns ein Häftling seine Zelle zeigte, mit Weihnachtskarten an den Wänden. So unterschiedlich die Schicksale der Menschen, so spannend waren die Besuche bei ihnen. Zwei Wochen waren wir unterwegs - viel Spaß mit unseren Bildern!