Außenpolitik

Eine Showbühne und viele entscheidende Geheimgespäche

Es gibt drei Bühnen, auf denen die internatonale Diplomatie über die Zukunft Afghanistans verhandelt. Die erste ist grell ausgeleuchtet und heißt Afghanistan-Konferenz. Das ist die Showbühne für die Weltöffentlichkeit. Sie steht in Bonn, im alten Bundestag, wo an diesem Montag Vertreter von rund 100 Staaten und internationalen Organisationen acht Stunden lang zusammenkommen und eine Abschlusserklärung verabschieden.

Eröffnet wird dieses Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Afghanistans Präsident Hamid Karsai und UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, geleitet von den Außenministern Salmai Rassul und Guido Westerwelle. Am Ende werden Versprechungen stehen. Die Weltgemeinschaft wird beteuern, sich nach dem Truppenabzug 2014 weiter um das Land am Hindukusch zu kümmern: mit Geld für die 352 000 afghanischen Soldaten und Polizisten und den zivilen Aufbau. Und die Afghanen werden sich wie immer verpflichten, Fortschritte bei Regierungsführung, Rechtssicherheit und Korruptionsbekämpfung zu erreichen. Doch die möglichen Erfolge und Kosten sind ungewiss. Ziel des diplomatischen Spektakels sind allein zwei Botschaften. Die eine ist an die Afghanen gerichtet und lautet: Die Völkergemeinschaft wird euch nach 2014 nicht im Stich lassen. Die andere geht an die kriegsmüden Bürger in den Truppenstellerstaaten: Das internationale Engagement ist endlich.

Die zweite, wichtigere Bühne wurde vor allem einem Mann aus der zweiten Reihe bespielt: Michael Steiner, Beauftragter der Bundesregierung für Afghanistan und Pakistan. Er hat die Kärrnerarbeit gemacht, die Inhalte der Abschlusserklärung festgelegt, die Formulierungen ausgelotet.

Auf der dritten Bühne schließlich wird nur im Verborgenen agiert. Aber sie ist am wichtigsten. Denn ohne Sicherheit ist alles andere ohne Grundlage. Deshalb braucht es Friedensgespräche mit den Taliban. Erste Geheimgespräche soll es in München und den Golfstaaten unter der Vermittlung Deutschlands und des Emirats Katar gegeben haben. Hier wird es erst mal keine Fortschritte geben.