Koalition

Die zwei Überraschungssenatorinnen

Um 16.30 Uhr lüftete der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) das am besten gehütete Geheimnis der Regierungsbildung. Er präsentierte der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus die neue Bildungs- und Wissenschaftssenatorin: Künftig wird Sandra Scheeres an der Spitze der Bildungsverwaltung stehen.

"Sandra Scheeres hat in allen Themenbereichen von der Kita bis zur Hochschule Kompetenzen gezeigt", sagte Wowereit anschließend. Die 41 Jahre alte Sozialdemokratin stammt aus Düsseldorf, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sie sitzt seit fünf Jahren im Berliner Abgeordnetenhaus und hat bislang das Thema Jugend für die SPD vertreten. "Als Mutter, die im Beruf steht, weiß sie durch ihren Alltag, wie Jugend- und Bildungspolitik geht", rechtfertigte Wowereit die überraschende Berufung Scheeres zur Senatorin. Als Notlösung sieht sich die 41-Jährige nicht. "Die Gespräche laufen nicht erst seit Samstag", sagte Scheeres bei ihrer offiziellen Vorstellung. Wowereit kündigte an, dass der Ausbau der Kitas ein Schwerpunkt des künftigen Senates sei, den Scheeres umsetzen werde.

Als größte Herausforderung für die bisherige Jugendpolitikerin steht die zukünftige Gestaltung der Wissenschaftslandschaft an. SPD und CDU hatten sich darauf verständigt, die Forschung künftig der Wirtschaftsverwaltung zuzuordnen, aber die Wissenschaft bei der Bildung zu lassen. "Die Trennung ist da", sagte Scheeres am Dienstag. "Jetzt muss man sehen, wo die Schnittstellen sind, damit es zu einer vertrauensvollen Zusammenarbeit kommt." Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen hatten nach dem Bekanntwerden der neuen Ressortzuschnitte Kritik geäußert. Künftig müssten die universitären Forschungseinrichtungen mit zwei statt bislang mit einem Senator verhandeln, hieß es.

Die hiesigen Unternehmen pflegen

Die Wirtschaft im Berliner Senat wird nun von einer gebürtigen Augsburgerin geleitet. Die 49-jährige parteilose Sybille von Obernitz wird ihren bisherigen Job beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) aufgeben. Dort war die studierte Diplom-Volkswirtin Bereichsleiterin Bildung. Vor allem für die berufliche und schulische Bildung machte sie sich stark. So sprach sie sich im Zuge des Bildungsstreiks 2009 für eine bessere Lehrerausbildung aus. Das Studium der Pädagogen müsse mehr Praxisbezug bekommen.

"Das klingt ein bisschen viel nach Bildung", gab Obernitz am Abend zu. "Aber vergessen Sie nicht, die IHK ist eine unternehmerische Organisation." Sie komme zwar aus der Bildung, ihr Herz schlage aber für die Wirtschaft. Deshalb freue sie sich sehr über die Nominierung, so Obernitz. "Ich gehe das mit Schwung an."

Die Mutter dreier Kinder hat sich zum Beispiel vorgenommen, die hiesigen Unternehmen zu pflegen. "Ich bin sehr dienstleistungsorientiert", sagte sie. Es könne nicht sein, dass Unternehmer jahrelang auf einen Termin beim Senator warten müssten. "Das ist nicht mein Politikverständnis."

Sybille von Obernitz, die privat Marathon läuft, wird von vielen Menschen als nett und kompetent beschrieben. Der Hauptgeschäftsführer der IHK, Jan Eder, sagt: "Sie ist in jeder Hinsicht für das Amt geeignet." Um dann noch die Hauptaufgabe zu formulieren: "Es müssen die Großprojekte wie ein Konzept für die Nachnutzung des Flughafens Tegel angegangen werden."

Zum Schluss verriet Obernitz noch, dass Henkel ihr alle Fakten zu dem Senatorenamt ohne Beschönigungen auf den Tisch gelegt habe. Dabei habe er "Teamstimmung verbreitet" - was ihr als Teamplayerin gefallen habe.