Welt-Klimakonferenz

Friedliche Proteste und wenig Hoffnung in Südafrika

Vier Greenpeace-Aktivisten ketten sich an das Eingangstor des Kusile-Kohlekraftwerkes im Osten Südafrikas. Sechs andere klettern einen Baukran hinauf und entrollen ein Plakat mit der Aufschrift: "Kusile - Klimakiller".

Der Grund der Proteste: Südafrika generiert mehr als 90 Prozent seines Stroms mit Kohle und investiert weiter in den fossilen Brennstoff, was dem Schwellenland Platz 13 auf der Liste der größten CO2-Produzenten der Welt einbringt. Ein wirklich vorbildlicher Gastgeber für die Weltklimakonferenz sieht also anders aus.

Und doch passt die ökonomisch motivierte Energiepolitik Südafrikas zu den Erwartungen vor der 17. Klimakonferenz in Durban. Dort werden von heute an knapp 20 000 Delegierte aus beinahe jedem Land der Welt darüber sprechen, wie sich die Menge der Treibhausgase weltweit verringern lässt. Viel Verbindliches werden sie wohl nicht beschließen.

Selten war die Hoffnung so gering, dabei setzen sich die Delegierten ausgerechnet auf dem Kontinent zusammen, der nur drei Prozent der relevanten Gase produziert und den wohl die Klimaerwärmung am meisten treffen wird. Bestehende Probleme wie Dürren, Versteppung, Wassermangel und Überschwemmungen werden verstärkt. Die Existenz von vielen Millionen Menschen ist gefährdet, besonders die der rund 20 Millionen Nomaden und unzähligen Kleinbauern auf dem Land.

Doch mehrere große Industriestaaten wie etwa die USA haben durchklingen lassen, dass sie mit einer Einigung für ein völkerrechtlich bindendes Abkommen nicht vor 2016 rechnen. Es würde frühestens 2020 in Kraft treten - acht Jahre nachdem das Kyoto-Protokoll abgelaufen ist. Und das galt nicht einmal verbindlich, weil unter anderem die USA die Unterschrift verweigerten.

2500 Polizisten sichern die Konferenz, bei der Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) die deutsche Delegation anführt. Die Demonstrationen bisher liefen friedlich ab. Am Sonnabend etwa marschierten Hunderte am Strand von Durban und forderten die eintreffenden Entscheidungsträger zu raschen Taten auf. "Wir müssen alles Mögliche tun, um die klimabedingten Effekte zu lindern", sagte Südafrikas Vizepräsident Kgalema Motlanthe.

Diesen Ruf unterstützen Zehntausende Touristen und Prominente, die im Laufe der Konferenz in die Stadt kommen werden. Die Unterkünfte der Stadt sind restlos ausgebucht. Unter anderen haben sich die klimabewegten Hollywood-Schauspieler Brad Pitt, Angelina Jolie und Leonardo DiCaprio angekündigt sowie Bono, Sänger der irischen Rockgruppe U2.