Fragen und Antworten

Wie viele Castor-Transporte wird es noch geben?

Der 13. Castor-Transport steht bevor. In diesen Tagen wird erneut hoch radioaktiver Abfall zum Zwischenlager ins niedersächsische Gorleben rollen. Doch warum kommt der Atommüll aus dem französischen La Hague eigentlich nach Deutschland? Und was soll mit diesem Müll langfristig passieren? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Warum werden die Castoren mit Atommüll überhaupt nach Deutschland transportiert?

In Atomkraftwerken kommen Brennelemente zum Einsatz. Waren diese abgebrannt, wurden sie bis vor einigen Jahren aus Deutschland nach Frankreich sowie nach Großbritannien geschickt, um sie dort aufarbeiten zu lassen. Schon seit 1979 ist das gängige Praxis. Seit 2005 ist die Wiederaufarbeitung in Deutschland verboten. Die Bundesrepublik ist jedoch verpflichtet, den bereits früher ins Ausland transportierten Atommüll zurückzunehmen. Seit 1995 wird dieser ins Zwischenlager in Gorleben gebracht.

Wieso rollen die Transporte ausgerechnet ins niedersächsische Gorleben?

Die Umstände für die Wahl von Gorleben als mögliches Atommülllager sind bis heute nicht ganz klar. Fest steht: Im Jahr 1976 traf sich der damalige niedersächsische Ministerpräsident Ernst Albrecht (CDU) mit drei Bundesministern und schlug den Ort im Wendland als mögliche Lagerstätte für atomare Abfälle vor. Trotz anderer Favoriten wurde beschlossen, dass der Salzstock auf seine Eignung als mögliches Endlager getestet werden solle. Bis zur Endlagerung braucht es aber dennoch ein vorläufiges Lager - irgendwo muss der Müll ja hin. Deshalb wurde ein oberirdisches Zwischenlager eingerichtet, in der Nähe des Salzstocks, der noch untersucht wird.

Wie viele Transporte nach Gorleben hat es gegeben?

Die deutschen Atomkraftwerke lieferten bis 2005 den Großteil ihres radioaktiven Atommülls nach La Hague, nach Angaben der zuständigen Entsorgungsgesellschaft GNS insgesamt rund 5300 Tonnen hoch radioaktive Schwermetalle. Der Teil, der nicht aufgearbeitet werden konnte, ging als Atommüll zurück nach Gorleben: Seit 1996 - einschließlich des nun letzten hoch radioaktiven Castor-Zuges - 13 Transporte mit 108 Großbehältern und gut 3000 sogenannten Glaskokillen, in denen der Atommüll eingeschmolzen ist. Der letzte dieser Transporte umfasst laut Greenpeace elf Castor-Behälter mit über 120 Tonnen hoch radioaktivem Müll. Der längste Castor-Transport kam vergangenes Jahr, am 9. November, an - nach rund 92 Stunden. Bis zu 50 000 Demonstranten protestierten damals.

Wie viele Castor-Transporte aus dem Ausland wird es noch geben?

Ein Großteil der atomaren Abfälle aus der Wiederaufarbeitung hat Deutschland bereits zurückgenommen. In Gorleben lagern derzeit 102 Behälter: 97 Castoren mit Atommüll und fünf Container mit Brennelementen. Der aktuelle Transport wird der letzte mit hoch radioaktivem Müll aus dem französischen La Hague sein, eventuell folgen von dort aber noch weitere mit mittelradioaktivem Müll. Ferner sollen bis 2017 noch 21 Behälter aus dem britischen Sellafield nach Deutschland gebracht werden.

Warum sind so viele Menschen gegen die Einlagerung von Atommüll in Gorleben?

Viele Atomgegner bringen mit den Protesten gegen den Castor-Transport ihre allgemeine Einstellung - "Atomkraft, nein danke" - zum Ausdruck. In der jüngsten Diskussion spielt aber auch eine Rolle, dass die Grenzwerte am Zwischenlager in diesem Jahr erhöht waren. Kritiker von Gorleben als Endlager meinen, dass Salz als Material nicht geeignet ist, Atommüll sicher zu lagern. Auch ein fehlendes Deckgebirge und damit drohende Wassereintritte sowie Gasvorkommen machen den Salzstock aus ihrer Sicht zu einer schlechten - und gefährlichen - Wahl.

Was soll langfristig mit dem Atommüll in Deutschland passieren?

Das Ziel ist, ein Endlager für radioaktive Abfälle zu finden. Bislang gibt es eine solche Lagerstätte jedoch nirgendwo auf der Welt. Es müsste garantiert werden, dass für Millionen von Jahren keine Radioaktivität entweicht, doch es fehlen sichere Erkenntnisse, wie sich der strahlende Müll in der Erde verhalten könnte. Deutschland wird nicht vor 2035 oder 2040 ein Endlager haben, schätzt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hat verkündet, auch Alternativen zu Gorleben zu prüfen.