Widerstand

16 000 Demonstranten im Wendland erwartet

Rund 1200 Kilometer lang ist die Strecke vom französischen La Hague bis nach Gorleben. Viel Platz, um gegen den Transport der hoch radioaktiven Castoren zu demonstrieren. Vor allem auf der letzten Etappe ab Dannenberg - von dort sind es noch 20 Kilometer - gibt es jedes Mal extreme Proteste. Dieses Mal sollen es rund 16 000 Demonstranten werden, schätzt die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg.

20 000 Polizisten werden laut der Polizei Lüneburg deshalb in den kommenden Tagen im Einsatz sein, 12 000 Beamte von der Landespolizei sowie 8000 von der Bundespolizei. 359 davon kommen aus Berlin.

Und sie stellen sich auf zahlreiche Formen des Protestes ein. Typisch für Castor-Gegner ist zum Beispiel die klassische Sitzblockade. Die Polizei darf diese, nach mehrmaliger Aufforderung an die Blockierer, sich zu entfernen, auflösen. Zurzeit planen nach Angaben der Organisatoren 22 Gruppen und Initiativen eine gemeinsame Sitzblockade auf der Zufahrtsstraße zum Zwischenlager Gorleben. Darunter seien das Netzwerk Attac, die atomkraftkritische Ärzteorganisation IPPNW und die Naturfreunde Deutschlands, so die Initiative "X-tausendmal quer". Auch die Jungsozialisten, die Falken und die Grüne Jugend hätten zur Beteiligung an der Aktion aufgerufen.

Sehr beliebt ist aber auch das sogenannte Schottern. Durch das Entfernen von Schottersteinen aus dem Gleisbett soll der betroffene Schienenabschnitt für den Castor-Zug unbefahrbar werden, wie es in der Erklärung "Castor? Schottern! 2011" heißt. Mit der geplanten Sabotageaktion haben sich bereits rund 350 Gruppen und Personen solidarisch erklärt. Ein geplantes Protestcamp bei Dumstorf ist allerdings vom Verwaltungsgericht Lüneburg verboten worden. Die öffentliche Sicherheit sei unmittelbar gefährdet, heißt es.

Die Franzosen wollen es ihrem deutschen Vorbild in diesem Jahr übrigens gleichtun. Obwohl im Nachbarland mit 59 Reaktorblöcken mehr als drei Mal so viele Meiler wie in Deutschland laufen, organisierte sich in Frankreich bislang weniger Widerstand. Das soll sich ändern: "Dieses Mal werden so viele kommen wie noch nie", sagt Charlotte Mijeon, Kampagnenleiterin bei "Sortir du Nucléaire" ("Ausstieg aus der Nuklearenergie"). Sie schätzt, dass es viele Hunderte sein werden. Zum ersten Mal rechnet auch der französische Staat mit mehr Widerstand: Die Schulen im Abfahrtsort Valognes werden geschlossen, der Zugverkehr der Region wird eingestellt. Zwanzig Straßen in Valognes und zwei Landstraßen sind am Mittwoch für den Verkehr gesperrt. Hunderte französische Polizisten sollen die zwölf Waggons bis zur deutschen Grenze begleiten.