Angriff auf den Iran

Eine Bombe, drei Szenarien

Steht der Nahe Osten vor einem neuen Krieg? Seit einer Woche wird über einen Angriff Israels auf die Atomanlagen im Iran spekuliert. Am Wochenende hatte der israelische Premier Schimon Peres erklärt, man stünde einem bewaffneten Konflikt näher als einer diplomatischen Lösung.

Zumal die Internationale Atomenergiebehörde warnt: "Die Informationen weisen darauf hin, dass der Iran Arbeiten zur Entwicklung eines nuklearen Sprengkörpers durchgeführt hat."

Diese Aussage versetzt nicht nur die Israelis in Alarmbereitschaft. Auch Saudi-Arabien muss ein nuklear bewaffnetes Regime in Teheran fürchten. Nun steht die Frage im Raum, ob und wie sich die Bombe noch verhindern lässt.

Die Antwort ist kompliziert. Denn ein Angriff auf die atomaren Anlagen im Iran könnte das Nuklearprogramm zwar um einiges zurückwerfen, wenn auch wohl nicht ganz verhindern. Die eigentliche Bedrohung geht zunächst weniger vom Inland als von der Küste aus. Rund ein Viertel aller globalen Öllieferungen laufen durch die Straße von Hormus. Mit seiner Flotte wäre der Iran leicht in der Lage, die Lieferungen zu blockieren, westliche Tanker anzugreifen oder in Brand zu setzen. Schon das Foto eines brennenden Ölschiffs würde die Märkte vermutlich in Panik versetzen. Amerikanische Militärexperten halten es deshalb für unabdingbar, dass vor einem Schlag auf die Atomanlagen mindestens die iranische Flotte wesentlich geschwächt oder ausgeschaltet werden müsste.

Eine Gefahr durch Angriffe mit Raketen und Flugzeugen wäre damit aber noch nicht gebannt. Zu einer solchen militärischen Aktion, die auf ähnliche Weise im Sommer an der libyschen Küste stattfand, als Gaddafis Kampfschiffe außer Gefecht gesetzt wurden, sind nur die Amerikaner fähig. Das Weiße Haus aber schweigt still, wenn es um die Frage geht, ob Präsident Obama einen Angriff auf den Iran genehmigen würde. Die US Army zieht sich aus der Region im Moment eher zurück, selbst der Ausgang eines Krieges unter amerikanischer Beteiligung wäre völlig ungewiss.

Am schlimmsten, so Militärexperten, wäre aber ein israelischer Alleingang. Er würde vor allem auf die Atomanlagen selbst zielen und die Straße von Hormus mangels Kapazitäten links liegen lassen. Das wiederum ermöglichte dem Iran, dort größtmögliches Unheil anzurichten - ein internationales Horrorszenario, von Israels Problemen ganz zu schweigen.

Es ist deshalb möglich, dass es nicht zu einem Militärschlag, sondern allein zu einer Verschärfung von Sanktionen gegen Teheran kommt. Der Iran würde seine regionale Hegemonie wohl weiter ausbauen - während das Regime es sich auf einer Atombombe bequem macht.