Euro-Krise

"Die Situation in Griechenland ist wirklich grausam"

Es ist eine schwere Zeit für die Griechen - auch fern ab von der Heimat. Rund 9400 Griechen leben in Berlin, und viele von ihnen fühlen in diesen Wochen mit ihren Landsleuten. Anthi Lydia Galinou hat ein Restaurant in Prenzlauer Berg, sie lebt seit 18 Jahren in Deutschland.

In letzter Zeit denkt sie häufiger an die Verwandten und Freunde in ihrem Heimatland. "Die Situation in Griechenland ist wirklich grausam, die Menschen leiden sehr", sagt die 50-Jährige. Galinou glaubt allerdings nicht, dass sich dies sehr bald ändern wird. Doch sie will optimistisch sein: "Ich bin mir sicher, dass das griechische Volk gestärkt aus der Krise hervorgehen wird."

Mit einem Blick von außen sind viele Griechen in Berlin der Meinung, dass vor allem Korruption und falsche Verteilung des Geldes Schuld an der Misere sind. Joannis Tramountanis, Betriebswirt aus Friedrichshain, wird sauer, wenn er an die Besserverdiener in Griechenland denkt. "Die Reichen haben nie Steuern gezahlt, und nun müssen die Armen dafür die Zeche zahlen", sagt er. Dass die Volksabstimmung über die EU-Hilfen nun abgesagt worden ist, sieht der 42-Jährige mit gemischten Gefühlen: "Ich habe ein Referendum befürwortet, damit die Griechen wieder das Gefühl haben, auch eine Rolle bei wichtigen Entscheidungen zu spielen." Griechenland habe so viel Macht an die EU abgetreten wie kein anderes Land. Tramountanis sagt: "Auf der anderen Seite kehrt jetzt vielleicht endlich etwas Ruhe in die Verhandlungen ein." Die EU und die Griechen bräuchten mehr Geduld bei der Beseitigung der Schulden. Und ein bisschen mehr positives Denken.

In Prenzlauer Berg schraubt Georgios Velissarios in seinem Geschäft an einem Fahrrad. Der 50-Jährige hat ebenfalls eine Gruppe von Schuldigen ausgemacht. "Banker und Politiker haben das Geld verzockt und falsch investiert. Deshalb haben wir europaweit nun so ein großes Problem." Dass das griechische Volk nun alleine die Konsequenzen tragen müsse, findet er falsch. Auf die Frage, ob Griechenland in der EU bleiben sollte, hat er aber eine eindeutige Antwort: "Ich bin ein Kosmopolit. Europa gehört zusammen."

Doch nicht nur das eigene Volk wird kritisiert. Kostas Papanastasiou (74), Fernsehzuschauern als Wirt Panaiotis Sarikakis aus der "Lindenstraße" bekannt, fühlt sich durch die antigriechische Stimmung in den Medien verletzt. "Für mich persönlich ist das heutige Europa ein feindliches Europa", sagte der Schauspieler. Papanastasiou führt in Charlottenburg die Taverne "Terzo Mondo". Er ist überzeugter Berliner, lebt seit 55 Jahren in der Stadt. Doch momentan schlägt sein Herz mehr und mehr für seine Landsleute. Das Verhalten in Deutschland und in Europa gegenüber den Griechen sei "so feindlich, so beleidigend, so uneuropäisch".