Handel

Metros kleine Tochter

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Schon seit Jahren sucht der Düsseldorfer Handelsriese Metro einen Käufer für seine Warenhauskette. Bisher gab es nur keinen Interessenten, der die geforderten Summen von zwei bis drei Milliarden Euro für Kaufhof zahlen wollte. Doch jetzt stehen die Interessenten offenbar Schlange.

Neben Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen, der mit einer Übernahme des Konkurrenten eine gemeinsame Warenhauskette, eine "Deutsche Warenhaus AG", schmieden möchte, hat auch die österreichische Immobilienfirma Signa Interesse angemeldet. Hinter ihr steht der griechische Milliardär und Reeder Georgios Economou, der nach Angaben aus Industriekreisen 40 bis 50 Prozent an dem Unternehmen hält. Mit beiden Interessenten würden Sondierungsgespräche geführt, so die Metro. Es lägen seriöse Angebote vor, die würden nun geprüft. Das Signa-Angebot soll einen Wert von etwa 2,4 Mrd. Euro haben, die wertvollen Immobilien inklusive. Berggruens Angebot soll "nicht darunter liegen", hieß es. Tatsächlich geht es um viel Geld: Jeder zweite der 139 Kaufhof-Standorte befindet sich im Besitz des Warenhauses. Das sorgt für Unabhängigkeit und reduziert hohe Mietzahlungen - vor allem in Toplagen. Auch wenn Galeria Kaufhof seit fast vier Jahren nicht mehr zum Kerngeschäft der Metro gehört, ist das von Lovro Mandac geführte Unternehmen trotz Wirtschaftskrise und Konsumflaute profitabel. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Warenhaus, das vor mehr als 130 Jahren von Leonhard Tietz in Stralsund mit einem kleinen Textilgeschäft gegründet worden war, einen Umsatz von 3,5 Milliarden Euro.

Kaufhof ist die kleinste Tochter des Handelsriesen Metro, zu dem auch die Elektronikmärkte Saturn und Media Markt sowie die Real-Supermärkte gehören. Der scheidende Metro-Chef Eckhard Cordes hatte sich lange um eine Fusion mit der Karstadt GmbH bemüht, die nach der Pleite des Einzelhandels- und Touristikkonzerns Arcandor von Berggruen aufgekauft wurde. Das Unternehmen Karstadt mit den 86 Warenhäuser und 26 Sportfilialen hat sich derweil von der drohenden Insolvenz erholt, für das Geschäftsjahr 2010/2011 versprach die Geschäftsleitung einen Umsatz- und Gewinnzuwachs - genaue Zahlen wurden noch nicht genannt.

Ein Sprecher der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di äußerte sich dennoch bereits kritisch zu den Fusions-Überlegungen. Er wies auf mögliche Auswirkungen eines solchen Plans auf die Arbeitsplätze hin.

( dpa/sl/ )