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Gekommen und geblieben

Jubiläum Vor 50 Jahren, am 30. Oktober 1961, schließen die Bundesrepublik und die Türkei im heutigen Bonner Stadtteil Bad Godesberg das Abkommen über die Anwerbung türkischer Gastarbeiter. Es ist die deutsche Reaktion auf die Wirtschaftswunderjahre mit einem steigenden Bedarf an Arbeitskräften. Die Arbeitsmigranten übernehmen vor allem Jobs als un- oder angelernte Arbeiter in der Landwirtschaft, auf dem Bau, in der Stahl- und Automobilindustrie sowie im Bergbau. Rund 800 000 türkische Gastarbeiter kommen so nach Deutschland.

Aufenthalt Dass viele von ihnen auch bleiben, war allerdings nicht vorgesehen. Für maximal zwei Jahre sollten die Gastarbeiter kommen. Doch schon 1964 wurde die Befristung auf Druck der Wirtschaft aufgehoben. Seit den 70er-Jahren ist auch der Nachzug von Ehepartnern und Kindern aus der Türkei gestattet. Mit der wirtschaftlichen Rezession und der Ölkrise erließ die Bundesregierung 1973 einen Anwerbestopp.

Heimat Heute leben rund 2,5 Millionen Menschen türkischer Abstammung in Deutschland, knapp 180 000 in Berlin. Mehr als ein Drittel von ihnen besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit. Viele sind längst in der Mitte der deutschen Gesellschaft angekommen, so wie die rund 80 000 deutsch-türkischen Unternehmer, die jährlich etwa 35 Milliarden Euro umsetzen - und das nicht nur mit Dönerbuden und Gemüseläden. Integration Das Zentrum für Türkeistudien nennt die Bildungssituation der türkischen Zuwanderer dennoch "schwierig": Mehr als 45 Prozent haben keinen Schulabschluss, Abitur nur jeder 14. Jeder Fünfte spricht laut Amt für Migration nur mangelhaft Deutsch.

Festakt Zur Feier der 50 Jahre kommt auch der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan nach Berlin. Am 2. November wird er zu einem Festakt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ins Auswärtige Amt kommen.