Sigrid Nikutta

Mit politischem Druck zur Vorzeige-Chefin

Sie ist so etwas wie die Vorzeige-Chefin Berlins. Sigrid Nikutta steht seit einem Jahr an der Spitze der 12 500 Mitarbeiter der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Am 1. September brachte die 42-Jährige noch ihr viertes Kind zur Welt. Die Babypause fällt kurz aus, die Managerin ist zwar offiziell noch nicht wieder im Büro, hält aber die Fäden in der Hand.

Dass die ehemalige Managerin der Deutsche-Bahn-Tochter Schenker Rail den Sprung auf den Sessel der Vorstandsvorsitzenden in der von Männern dominierten Nahverkehrsbranche schaffte, hat nichts mit der viel diskutierten Quote für Frauen in Führungspositionen von Großunternehmen zu tun. Wohl aber mit politischer Einflussnahme und erfolgreichem Frauen-Lobbyismus.

Der ehemalige Finanzsenator und BVG-Aufsichtsratschef Thilo Sarrazin (SPD) hatte 2009 den hausinternen Kandidaten Henrik Falk zum Finanzvorstand berufen, ohne den Top-Job öffentlich ausgeschrieben zu haben. Damit überging die BVG eine Vorschrift im Berliner Betriebegesetz, das eine Pflicht zur Ausschreibung festlegt, um vor allem Frauen die Chance zu geben, sich auf solche Stellen zu bewerben.

Vor allem die Frauen in der SPD, die sich in den vergangenen Jahren zu einer entschlossen handelnden Geschlechter-Lobby zusammengeschlossen haben, wehrten sich. Ultimativ verlangten sie, dass Frauen bei der Vergabe von Spitzenjobs in den öffentlichen Unternehmen zum Zuge kommen. Verstimmt wechselte sogar die frauenpolitische Sprecherin der SPD, Canan Bayram, zu den Grünen.

Als dann der Finanzsenator wechselte und der parteilose Unternehmer Ulrich Nußbaum wegen atmosphärischer Differenzen entschied, den Vertrag mit BVG-Chef Andreas Sturmowski nicht zu verlängern, wirkte der Druck. Aus 154 Bewerbern wurde Nikutta ausgewählt. Sie hatte sich auf eine Annonce in einer überregionalen Tageszeitung beworben. Nußbaum erfüllte die Forderung, gezielt auf qualifizierte Frauen zu achten. Bisher gibt es über die Arbeit der promovierten Psychologin an der Spitze der BVG keine Klagen.

Auch die zweite Frau an der Spitze eines Berliner Staatsunternehmens profitierte, als ein männlicher Vorgänger in Ungnade gefallen war. Vera Gäde-Butzlaff, Chefin der Berliner Stadtreinigung und als ehemalige Staatssekretärin in Sachsen-Anhalt politisch gut vernetzt, kam 2007 an die Spitze, als Gerhard Gamperl entlassen worden war.