Frauenquote

Drei Ministerinnen, kein gemeinsamer Weg

Bundesfrauenministerin Kristina Schröder (CDU) sieht die deutsche Wirtschaft bei der Frauenförderung auf einem guten Weg.

"Ich habe heute eine Wette gewonnen", sagte sie nach einem Treffen mit den Personalvorständen der 30 größten deutschen, börsennotierten Unternehmen. Vor einem halben Jahr, bei einem ersten Frauengipfel der Bundesregierung mit der Wirtschaft, hatten die Unternehmensvertreter sich verpflichtet, den Anteil weiblicher Führungskräfte zu steigern. Jetzt veröffentlichten die Unternehmen erstmals konkrete Ziele. "Ich habe prophezeit, dass sich kein Konzern eine einstellige Frauenquote als Ziel setzen wird - und die jetzt vorgelegte Liste zeigt, dass tatsächlich kein Unternehmen unter zehn Prozent geblieben ist", lobte die Ministerin. Dies sei der Beweis, dass ihre Idee einer flexiblen Frauenquote, die sich jedes Unternehmen selbst setzt und dann aber auch umsetzen muss, funktioniere.

Ihre Parteifreundin Ursula von der Leyen sieht das völlig anders. Die Bundesarbeitsministerin meinte, die Selbstverpflichtung der Unternehmen sei "kein Beweis, dass eine gesetzliche Frauenquote überflüssig ist". Schließlich enthalte die Liste keine Angaben darüber, wie sehr der Anteil weiblicher Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder steigen solle. "Dies aber ist die Gretchenfrage", sagte von der Leyen.

Weil Personalvorstände über die Besetzung dieser höchsten Unternehmensposten gar nicht zu entscheiden haben, regte die Ministerin ein Treffen der Bundesregierung mit Aufsichtsratsvorsitzenden an. "Ich weiß, dass ich bei der Frauenquote die treibende Kraft bin", sagte von der Leyen - gab aber zu, dass die Federführung eigentlich bei Frauenministerin Schröder liege.

Seit mehr als zehn Jahren wird über Frauenquoten für Führungspositionen in der Wirtschaft gestritten. Unter Rot-Grün vereinbarte man die erste Selbstverpflichtung. Doch es änderte sich wenig: Der Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder in Großunternehmen kletterte nur von 2,5 auf 3,7 Prozent. Leyen sieht deshalb - ebenso wie die Opposition - die Zeit für eine gesetzliche Frauenquote gekommen.

Sie hält eine Quote von 30 Prozent Frauen ab 2018 in der Chefetage für angemessen. Seit Monaten macht sie - sehr zum Ärger Schröders - Druck. Denn die Frauenministerin lehnt eine starre Quotenregelung dagegen ab. Ihr Modell einer Flexi-Quote sieht vor, dass jedes Unternehmen verpflichtet werden soll, sich selbst Ziele und einen festen Zeitplan zu geben und dies zu veröffentlichen. Sollten die Quoten nicht erreicht werden, drohen den jeweiligen Unternehmen Strafen.

An dem Treffen am Montag in Berlin nahm neben von der Leyen und Schröder auch Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) teil. Die Liberalen lehnen jegliche gesetzliche Regelung ab. Leutheusser-Schnarrenberger unterstrich erneut, dass sie eine freiwillige Selbstverpflichtung für den richtigen Ansatz hält. Damit liegt sie voll auf der Linie der Wirtschaft, die gleichfalls jegliche gesetzliche Regulierung ablehnte.

Harald Krüger, Personalvorstand des Autokonzerns BMW, sagte, die jetzt vorgelegte freiwillige Selbstverpflichtung sei "europaweit einzigartig". Sie enthalte realistische Ziele für jedes der 30 Dax-Unternehmen. Während der nächsten fünf Jahre werde regelmäßig ein Fortschrittsbericht vorgelegt, um die Entwicklung zu beobachten. Der BMW-Manager betonte, dass eine starre und für alle Unternehmen verbindliche gesetzliche Frauenquote der falsche Weg wäre. Denn die Rahmenbedingungen seien in jedem Unternehmen und in jeder Branche anders.

Tatsächlich variiert auch der allgemeine Frauenanteil beträchtlich. Unternehmen wie der Sportartikelproduzent Adidas oder der Versicherer Allianz beschäftigen knapp zur Hälfte Frauen. Beim Arzneimittelhersteller Fresenius liegt der Frauenanteil gar bei rund 71 Prozent. Dagegen ist bei den Autokonzernen Daimler oder BMW nicht einmal jeder sechste Arbeitnehmer weiblich.

Ähnliche Unterschiede gibt es beim Anteil weiblicher Führungskräfte. Bei Adidas, Allianz und beim Chemiekonzern Henkel ist jede vierte Führungskraft eine Frau. Der Energiekonzern E.on bringt es dagegen nur auf knapp neun Prozent. E.on-Personalvorstand Bettina Stachelhaus hält dennoch eine gesetzliche Regelung zur Frauenquote "für entbehrlich". Sie sieht nicht nur die Unternehmen, sondern auch Politik und Gesellschaft in der Pflicht. So müsse die Kinderbetreuung weiter ausgebaut werden.

Die Ziele, die sich die 30 Unternehmen für die kommenden Jahre gesetzt haben, variieren stark. Adidas will bis Ende 2015 ein Drittel seiner Führungspositionen mit Frauen besetzen. BASF will bis Ende 2020 eine etwa halb so hohe Quote erreichen. Siemens strebt bis Ende 2015 einen Frauenanteil von zwölf bis 13 Prozent in den Führungsebenen an. VW will sich für eine ähnliche Größenordnung bis Ende 2020 Zeit lassen.

Arbeitsministerin von der Leyen bemängelte, dass in der Selbstverpflichtung "Äpfel mit Birnen und Mandarinen" verglichen würden. Manche Unternehmen hätten sich weltweite Zielvorgaben gegeben, andere nationale. Auch sei der Begriff der Führungsposition zu wenig konkret. Keinerlei Angaben machten die Konzerne über den angestrebten Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten, kritisierte die CDU-Ministerin.

"Ich weiß, dass ich bei der Frauenquote die treibende Kraft bin"

Ursula von der Leyen, Bundesarbeitsministerin (CDU)