Sicherheit

Rätselraten um verschwundene libysche Waffen

Nach dem Tod von Libyens früherem Machthaber Muammar al-Gaddafi sorgt sich die Weltgemeinschaft nicht nur um die politische Zukunft des Landes. Auch die inzwischen geplünderten großen Waffenarsenale des Despoten bereiten den Staaten der Region, aber auch weltweit großes Kopfzerbrechen. In Nordafrika herrsche "außerordentlich große Besorgnis", dass Waffen aus Libyen in die Nachbarländer geschafft worden seien, sagt der UN-Libyen-Sonderbeauftragte Ian Martin.

Es gehe dabei unter anderem um Boden-Luft-Raketen, die von der Schulter aus abgefeuert werden können, Maschinengewehre und zugehörige Munition. Vor allem die schätzungsweise rund 20 000 schultergestützten Boden-Luft-Raketen machen Martin Sorgen, weil mit ihnen Flugzeuge abgeschossen werden können. Reste des libyschen Bestands dürften in Afrika noch in Jahren zu finden sein, befürchtet ein regionaler Diplomat.

Andere Diplomaten und Experten am Sitz der Vereinten Nationen in New York berichten, dass die libyschen Rebellen im monatelangen Kampf gegen Gaddafis Truppen sämtliche Sturmgewehre, Panzerabwehrraketen und Maschinengewehre aus seinen Waffenlagern abtransportiert hätten. Die Bestände seien größtenteils außer Landes gebracht worden. In einem westlichen Geheimdienstbericht ist von Lastwagen voller Waffen die Rede, die in die sudanesischen Krisenregionen Darfur und Süd-Kordofan fuhren. "Wir können nicht ausschließen, dass einige Waffen von Libyen nach Darfur gelangt sind", sagt auch der sudanesische Vertreter bei den UN, Daffa-Alla Elhag Ali Osman. Auch andere afrikanische Staaten äußern entsprechende Sorgen.

Nach Angaben aus Diplomatenkreisen fand kürzlich bereits ein Treffen von Militärchefs und Diplomaten aus Algerien, Mauretanien, Marokko, Tunesien, Frankreich, Italien, Malta, Portugal und Spanien statt. Dabei sei unter anderem die Frage diskutiert worden, wie das Terrornetzwerk al-Qaida im Maghreb an die Waffen gelangen und ob dies auch eine Bedrohung für Europa bedeuten könnte.