Ereignisse

Lynchmord oder Kreuzfeuer: Der letzte Tag des Tyrannen

Wie Muammar al-Gaddafi aufgespürt, festgenommen und getötet wurde, ist noch ungeklärt. Versuch einer Chronologie.

Donnerstag, 11 Uhr: Die Truppen des Übergangsrats geben die Eroberung der letzten Bastionen Gaddafi-treuer Truppen in Sirte bekannt.

11.56 Uhr: Rebellenkämpfer Abdul Salam Mohammed berichtet, dass ein Konvoi von etwa 100 Gaddafi-Kämpfern in etwa 40 Fahrzeugen versucht habe, aus der Stadt auszubrechen.

13.17 Uhr: Die Nachrichtenagentur AFP berichtet per Eilmeldung und unter Berufung auf einen Kommandeur des Übergangsrats, dass Gaddafi in Sirte gefangen und von Schüssen in beide Beine verletzt worden sei.

13.25 Uhr: Ein Arzt berichtet, bei den Kämpfen um Sirte sei der frühere Verteidigungsminister, Abu Bakr Junis Dschabir, getötet worden.

13.34 Uhr: Ein libyscher Kämpfer berichtet, Gaddafi habe sich in einer Abwasserröhre versteckt und gerufen: "Nicht schießen, nicht schießen!"

13.37 Uhr: Der arabische Nachrichtensender al-Arabija meldet, in Sirte seien auch Gaddafis Sohn Mutassim und sein Vertrauter Abdullah al-Sanussi festgenommen worden. Gaddafi werde in die Stadt Misrata gebracht.

13.40 Uhr: Mohammed Leith, ein Kommandeur des Nationalen Übergangsrats, sagt AFP: "Gaddafi wurde festgenommen. Er ist schwer verletzt, aber er atmet noch."

13.45 Uhr: Übergangsratsmitglied Abdel Madschid teilt der Agentur Reuters eine andere Version der Vorgänge mit: Gaddafi sei gefangen genommen und verwundet worden, nachdem Nato-Kampfflugzeuge am Morgen einen Konvoi angegriffen hätten, mit dem der langjährige libysche Machthaber versucht habe, aus dem eingekesselten Sirte zu entkommen.

13.51 Uhr: Erste Meldung vom Tod Gaddafis: Er sei beim Beschuss seines Konvois getötet worden, heißt es in libyschen Fernsehberichten. Funktionär Madschid erklärt: Nato-Jets hätten vier Fahrzeuge des Konvois getroffen.

13.52 Uhr: Reuters meldet: Gaddafis Sprecher Mussa Ibrahim ist gefasst.

14:14 Uhr: Das erste Bild eines blutüberströmten, leblos wirkenden Gaddafi trifft in den Redaktionen ein. Es ist das abfotografierte Standbild eines mit Mobiltelefon aufgenommenen Videos. Das Bild stammt von dem AFP-Fotografen Philippe Desmazes (siehe Foto).

14.18 Uhr: Übergangsrat-Funktionär Madschid sagt: "Gaddafi wurde auch in den Kopf getroffen."

14.39 Uhr: Nato-Sprecher Oberst Roland Lavoie gibt in Brüssel bekannt: "Um 8.30 Uhr Ortszeit haben Nato-Kampfflugzeuge zwei Militärfahrzeuge eines Konvois Gaddafi-treuer Truppen bei Sirte beschossen." Später wird bekannt: Es waren französische Jets und eine US-Drohne.

15.10 Uhr: Der Militärkommandeur des libyschen Übergangsrats, Abdelhakim Belhadsch, bestätigte im Fernsehsender al-Dschasira Gaddafis Tod.

15.11 Uhr: Al-Dschasira sendet Fotos vom toten Verteidigungsminister Junis Dschabir. Er hat ein Einschussloch unterhalb des Genicks.

15.14 Uhr: Arabische Sender melden die Gefangennahme von Gaddafi-Sohn Mutassim.

16.06 Uhr: Al-Dschasira sendet Videosequenzen, die Gaddafis Körper zeigen, der halb nackt von Rebellen durch die Straßen gestoßen wird. Das Gesicht ist voller Blut, an der linken Schläfe prangt ein Einschussloch.

16.17 Uhr: Libyens Premier Mahmud Dschibril gibt offiziell den Tod Gaddafis bekannt.

18.26 Uhr: Al-Dschasira sendet ein Video, auf dem zu sehen ist, dass Gaddafi bei seiner Festnahme zwar verwundet, aber zweifellos am Leben ist.

19.21 Uhr: Informationsminister Mahmud Shammam gibt bekannt: Mutassim Gaddafi ist tot.

21.57 Uhr: Der libysche Premier zitiert einen Forensiker: Gaddafi starb an einem Kopfschuss, als ein Schusswechsel nach seiner Festnahme ausbrach.

Freitag, 10.33 Uhr: Der Übergangsrat erklärt, Gaddafis Begräbnis verzögere sich, weil noch Untersuchungen ausstünden. Er solle an einem geheimen Ort bestattet werden.

14.55 Uhr: Al-Arabija meldet, dass Saif al-Islam, der letzte noch in Libyen flüchtige Sohn Gaddafis, sei in Slitan, 160 Kilometer östlich von Tripolis, festgenommen worden. Er sei verletzt.

15.11 Uhr: Die syrische TV-Station al-Rai meldet, Gaddafis Witwe fordere die UN auf, den Tod der "Märtyrer" ihrer Familie aufzuklären.