Diskothek "La Belle"

Gaddafis Anschlag in Friedenau

Am 5. April 1986 explodierte in der Diskothek "La Belle" im Berliner Stadtteil Friedenau eine mit Eisenteilen durchsetzte Bombe. Drei Menschen starben, mehr als 200 wurden zum Teil schwer verletzt. Der Anschlag auf die bei amerikanischen Soldaten beliebte Diskothek löste außenpolitische Spannungen aus, die wenige Wochen später in der Bombardierung der libyschen Hafenstädte Tripolis und Bengasi durch die US-amerikanische Luftwaffe gipfelte.

Die Aufklärung des Anschlags endete vor fast genau zehn Jahren, am 13. November 2001 im Berliner Kriminalgericht. Die Richter verurteilten die Täter nach insgesamt 280 Verhandlungstagen zu langjährigen Haftstrafen.

Es war ein historisches Datum. Zum ersten Mal wies ein Gericht einen Fall von Staatsterrorismus nach. Die Urheber des Anschlags saßen im libyschen Geheimdienst, Revolutionsführer Muammar Gaddafi hatte sein Einverständnis für den Anschlag gegeben. Bei der Aufklärung "eines der heimtückischsten Verbrechen der deutschen Geschichte", so der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung damals, half den Behörden ein anderes historisches Ereignis: der Fall der Mauer. Denn nicht nur Gaddafi wusste von dem Anschlag auf die Diskothek, auch die DDR-Staatssicherheit war stets im Bilde. Das ging aus den Unterlagen der Stasi-Behörde hervor, die nach dem Fall der Mauer öffentlich wurden. Einer der Täter arbeitete sogar als Informeller Mitarbeiter der Stasi, Deckname "Alba". Die Stasi war über die Planungen des Anschlags stets informiert, griff jedoch nicht ein.

Mit Diplomatenpässen ausgestattet, konnten die Täter problemlos von Ost- nach West-Berlin wechseln. Mehrfach transportierten sie auch den Sprengstoff hin und her, bevor der Sprengsatz schließlich in einer Kreuzberger Wohnung in der Lindenstraße zusammengebaut und von zwei Schwestern in die Diskothek gebracht wurde. Die Bombe explodierte um 1.40 Uhr in der voll besetzten Diskothek.

Wie in einem Brennglas spiegelte sich in dem Anschlag auf die Friedenauer Diskothek die politische Weltlage zum Ende des Kalten Krieges, die Lage der Geheimdienste und des internationalen Terrorismus. Dennoch dauerte es 18 Jahre, bis auch für die Opfer der Fall wenigstens ein formales Ende fand. Gaddafi zahlte insgesamt 35 Millionen Dollar Entschädigung, Schwerverletzte erhielten 350 000 Dollar, Leichtverletzte 190 000 Euro. Für die Opfer und deren Angehörige ein symbolischer Akt, die gesundheitlichen und psychischen Folgen des Anschlags reichen bis in die Gegenwart hinein.

Gaddafi erkaufte sich mit der Entschädigung die Rückkehr in die Weltgemeinschaft. Unmittelbar danach empfing er europäische Staatsoberhäupter. Der britische Premierminister Tony Blair besuchte ihn im Jahr 2004, wenig später folgte Bundeskanzler Gerhard Schröder - ein später Triumph für den verhassten Revolutionsführer. Doch schon damals gärte es in der libyschen Bevölkerung, die den Versprechen Gaddafis längst nicht mehr glaubte.