Papstgottesdienst

Ganz nah dran: Als Ministrantin im Olympiastadion

Für jeden Katholiken ist es das Ereignis schlechthin, einen Gottesdienst mit dem Papst zu feiern. Und als Ministrantin war ich natürlich besonders nah dran und ein bisschen aufgeregt, als wir gegen 14 Uhr im Olympiastadion eintrafen. Ich bin 15 Jahre alt, seit sechs Jahren Ministrantin. Seit vergangenem Jahr bilden meine Schwestern und ich auch neue Messdiener unserer Gemeinde aus.

Unser erster Kurs hat im April dieses Jahres seinen ersten Gottesdienst erfolgreich absolviert - so konnten wir uns für die Teilnahme am Papstgottesdienst im Olympiastadion anmelden. Es hat einige Stunden gedauert, bevor es dann losging, aber das Warten hat sich gelohnt. Als der Papst um 18 Uhr in seinem Papamobil ins Stadion einfuhr, war die Stimmung toll. Wir haben gewinkt und "Benedetto" gerufen und waren ihm einen Moment lang ganz nah.

Der Gottesdienst ist dann gut abgelaufen, auch wenn nicht immer alle genau wussten, was sie zu tun hatten. Es war nicht meine erste Begegnung mit dem Heiligen Vater. Schon zweimal habe ich Papst Benedikt XVI. live erlebt. Das letzte Mal im Sommer 2010 zur Internationalen Ministrantenwallfahrt in Rom. Zu diesem Anlass waren junge Ministranten aus verschiedenen Ländern Europas angereist. Ich kann mich besonders an die großartige Stimmung damals auf dem Petersplatz in der italienischen Hauptstadt Rom erinnern: Es wurden Fahnen geschwenkt, gemeinsam Lieder gesungen, Bekanntschaften gemacht, und natürlich warteten alle Jugendlichen gespannt auf Papst Benedikt XVI.

Ich bin seit sechs Jahren Ministrantin in Köpenick. Wenn ich davon in der Schule erzähle, werde ich manchmal belächelt oder mein Gegenüber wechselt das Thema. Es ist eher schwer, in unserer toleranten Gesellschaft über Religiosität zu sprechen. Dabei ist das Christentum eine Weltreligion und hat unsere Kultur entscheidend beeinflusst. Allerdings stoßen manche Äußerungen des Papstes auch unter den Gläubigen auf Kritik, genauso wie in anderen Teilen der Gesellschaft auch.

Mein Spaß am Ministrieren hat sich im Laufe der Zeit entwickelt. Nach meiner Kommunion in der dritten Klasse konnte ich mich entscheiden, ob ich dem Pfarrer in unserer Gemeinde künftig im Gottesdienst helfen wollte. Ich entschloss mich dafür, weil alle meine Geschwister ebenfalls Messdiener waren und ich damit die Tradition unserer Familie fortsetze. Ich habe eine sechsmonatige Ausbildung gemacht, seitdem diene ich ungefähr zwei- bis dreimal im Monat, manchmal auch in festlichen Gottesdiensten mit dem Bischof.

Die Heilige Kommunion habe ich im Olympiastadion nicht direkt vom Papst bekommen, sondern von einem Pfarrer. Aber der Abend hat uns viel Spaß gemacht, die Stimmung war schön und es war ein sehr festlicher Gottesdienst mit all der Musik und den Gesängen.