Welches Kennzeichen hat das Papamobil?

Wer reist mit Benedikt XVI., wer reicht ihm die Brille? Zehn Fragen zum Kirchenoberhaupt

Wie gesund ist das Oberhaupt der katholischen Kirche?

Benedikts Vorgänger Papst Johannes Paul II. litt unter Parkinson, in seinen letzten Lebensjahren war er gezeichnet von der schweren Krankheit. Benedikt XVI. ist im Vergleich dazu bei guter Gesundheit. Dennoch sind ihm seine 84 Jahre anzumerken. Seine Stimmbänder sind angegriffen, er wirkt angeschlagen. In seinem Gefolge reist auch sein Leibarzt mit, der Herzspezialist Patrizio Polisca. Benedikts älterer Bruder Georg Ratzinger (87) schließt einen Rücktritt von Benedikt XVI. aus gesundheitlichen Gründen nicht aus. "Wenn es nicht mehr geht, sollte mein Bruder den Mut und die Überwindung haben, vom Amt zurückzutreten", sagte der 87-Jährige der "Bunten". "Aber noch ist es nicht so weit, er ist sehr aktionsfähig." Georg Ratzinger wird seinen Bruder beim Deutschland-Besuch nicht begleiten. "Ich bleibe lieber zu Hause", sagte der langjährige Leiter der weltberühmten Regensburger Domspatzen, "ich sehe ja fast nichts mehr, und meine Beine machen auch nicht mehr mit."

Welche Mode trägt der Papst?

Nach seiner Wahl im Dezember 2005 machte Papst Benedikt XVI. zunächst Mode-Schlagzeilen. War Kardinal Ratzinger zuvor mit Baskenmütze und Aktentasche gesehen worden, erschien der neue Papst in samtrotem Schulterkragen und rotem Samthütchen mit Pelzbesatz, "Mozzetta" und "Camauro". Umhang und Kappe hatte zuletzt Papst Paul VI. getragen, der 1978 starb. Im Sommer sind sie aus Seide und ohne Pelz, zu Ostern weiß.

Zu Messen trägt das Kirchenoberhaupt eine einem Mantel ähnliche Dalmatik, die auch Bischöfe haben. Zu Andachten legt er einen Mantel um. Benedikts rote Schuhe sind päpstliche Tradition, wenn er auch einen anderen Hersteller wählte als sein Vorgänger. Bloß wen? Prada, behaupteten italienische Zeitungen zunächst, doch der Vatikan dementierte. Designer sei der päpstliche Schuhmacher Adriano Stefanelli. Überhaupt schien Papst Benedikt zur Mode-Ikone zu werden - im Alpenurlaub wurde der Pontifex mit Sportjacke und Basecap von Adidas gesichtet und Designer-Sonnenbrille.

Neben dem Pektorale, einem Kreuz an einer Halskette, hat der Papst einen Fischerring und einen Hirtenstab als Insignien. Seine Vorgänger benutzten einen schlichten Stab, Benedikt XVI. trug zwischenzeitlich die Ferula von Pius IX. Seit knapp zwei Jahren hat er einen eigens für ihn angefertigten Hirtenstab. Er ist wie der vorige vergoldet und wiegt aber immerhin gut 2,5 Kilo.

Wie begrüßt man einen Papst?

Bei offiziellen Begegnungen, etwa Staatsempfängen, ist für Herren der Frack vorgeschrieben. Wenn der Besuch eher einen privaten Charakter hat, geht auch ein Anzug. Für Damen gibt es keine feste Kleiderordnung. Der Schleier ist nicht mehr Pflicht. Viele Frauen, gerade aus dem südlichen Europa, legen ihn dennoch bei Papstaudienzen an. Bei Katholiken ist es üblich, sich vor dem Papst zu verbeugen oder zu knien, seine Hand zu ergreifen und einen Kuss auf seinen goldenen Siegelring anzudeuten. Es heißt, Papst Benedikt XVI. möge es nicht, wenn man den Fischerring direkt mit dem Mund berührt. Nichtchristen begrüßen ihn mit Handschlag, so 2006 der türkische Ministerpräsident Erdogan beim Papstbesuch in der Türkei.

In Berlin sind aus Sicherheitsgründen keine spontanen Begegnungen des Papstes mit Menschen auf der Straße geplant. Bei der Messe im Olympiastadion wird er zwar ausgewählten Gläubigen die heilige Kommunion erteilen, weiterer Kontakt ist nicht geplant. Im Bundestag dagegen können sich Abgeordnete nach der Rede des Papstes von diesem segnen lassen.

Hat schon mal ein Papst im Deutschen Bundestag gesprochen?

Nein, Papst Benedikt XVI. wird der erste Papst sein, der im Deutschen Bundestag vor den Abgeordneten eine Rede hält. Eingeladen hat ihn Bundestagspräsident Norbert Lammert im Namen aller Fraktionen.

Mit welchen Verkehrsmitteln ist der Papst unterwegs?

Der Papst wird mit dem Flugzeug anreisen und die einzelnen Stationen seiner Reise in einem Tross aus Limousinen, Sicherheitsleuten und Begleitern absolvieren. Bei Messen und öffentlichen Auftritten nutzt er, wie schon sein Vorgänger, das Papamobil.

Was ist das Papamobil?

Es ist ein eigens angefertigtes Fahrzeug, mit dem er Strecken durch die Menschenmengen zurücklegt. Der Papst sitzt dabei auf einem erhöhten Platz. Seit dem Attentat von 1981 auf Papst Johannes Paul II. ist die Kabine mit Panzerglas gesichert.

Das Fahrzeug, in dem der Pontifex am Donnerstag einmal die Innenbahn des Olympiastadions umrunden und die Gläubigen begrüßen wird, ist bereits am Montag in Berlin eingetroffen. Es wird Tag und Nacht von Beamten des Bundeskriminalamtes (BKA) bewacht. Wenn Papst Benedikt XVI. am Donnerstag in Berlin übernachtet, ist das Papamobil schon unterwegs zur nächsten Station seines Deutschlandbesuchs. Nach dem Gottesdienst im Olympiastadion wird es zum Wallfahrtsort Etzelsbach im Eichsfeld gebracht, wo der Papst eine Marienandacht feiern wird. Anschließend wird es für den nächsten Einsatzort in Erfurt vorbereitet. In Freiburg, der dritten Station der Visite, kommt das zweite Papamobil zum Einsatz. Insgesamt gibt es rund 60 Papamobile. Passend zum deutschen Papst, wird Benedikt voraussichtlich in einem Papamobil von Mercedes fahren.

Welches Autokennzeichen hat der Papst?

Das Papamobil hat das Kennzeichen "SCV 1", dabei steht SCV für Lateinisch "Status Civitatis Vaticanae".

Wo schläft Benedikt XVI.?

Das Oberhaupt der katholischen Kirche ist nicht auf Hotels angewiesen - es schläft immer unter kirchlichen Dächern, am besten im ranghöchsten Haus am Platz. In Berlin wird Benedikt XVI. in der Apostolischen Nuntiatur an der Hasenheide in Neukölln übernachten, der ständigen Vertretung des Vatikans als Staat. Er wird hier auch eine Privatmesse feiern und zu Abend essen. Zwischen seinen "politischen" Terminen am heutigen Donnerstag und dem Gottesdienst im Olympiastadion wird er hier einen kurzen Zwischenstopp einlegen.

Mit wem ist der Papst unterwegs?

Auf seiner Deutschlandreise wird der Papst von einem Gefolge aus 33 Personen begleitet, dem "seguito papale". Zu den engsten Mitarbeitern Benedikts zählen dessen Privatsekretär Georg Gänswein, der schon seit 2003 persönlicher Assistent von Kardinal Joseph Ratzinger war, und Tarcisio Bertone. Der heutige Kardinalssekretär gehörte schon zu Ratzingers engsten Mitarbeitern, als dieser die vatikanische Glaubenskongregation leitete. Bertone wird im Papamobil hinter dem Kirchenoberhaupt sitzen, ihm bei seinen Reden die Brille reichen oder das Mikrofon einstellen.

Um persönliche Dinge des Papstes kümmert sich Paolo Gabriele, der Kammerherr des Papstes. Bei wechselhaftem Wetter in Berlin kann es dann schon vorkommen, dass er dem Papst einen Regenschirm reichen wird. Darüber hinaus lässt Benedikt sich normalerweise von mehreren Kardinälen begleiten. Im päpstlichen Tross sind zudem der Chefredakteur der Vatikanzeitung "Osservatore Romano", Giovanni Maria Vian, ein Fotograf und ein Mitarbeiter des vatikanischen Fernsehens.

Für den traditionellen Ablauf der Gottesdienste ist Zeremonienmeister Guido Marini verantwortlich. Mitgereiste Schweizergardisten und Mitglieder der vatikanischen Gendarmerie sorgen für die Sicherheit des Kirchenoberhaupts. Die Schweizergardisten werden in traditionelle Gewänder gekleidet sein. Am längsten hat sich wahrscheinlich der päpstliche Reisemarschall, Alberto Gasbarri, mit der Papstreise nach Deutschland befasst - er inspizierte schon lange zuvor alle Ziele und Stationen der Papstreise, klärt die Abläufe der Veranstaltungen und die An- und Abreise.

Bringt der Papst Geschenke mit?

Ja, ein Gastgeschenk für Deutschland. Es handelt sich um ein Mosaik aus der vatikanischen Mosaikwerkstatt. Diese schuf vom 16. bis zum 19. Jahrhundert die prächtigen Mosaiken in der Petersbasilika, die mehr als 10 000 Quadratmeter bedecken. Heute kümmert die Werkstatt sich um die Restaurierung des beeindruckenden Erbes und stellt nebenbei noch Gastgeschenke für das Oberhaupt der katholischen Kirche her. Aber keine Angst: Das vatikanische Mitbringsel ist handlicher als die Schönheiten im Petersdom.