Bürgernähe und Integration

Hohe Erwartungen an die CDU in Reinickendorf

"Die SPD hat nicht auf ihr Volk gehört. Deshalb wähle ich jetzt CDU". Winfried Saum (72) steht mit einem Randkantenschneider auf der Wiese des Ludolfinger Platzes in Frohnau. Als Gärtner bessert er so seine Rente auf. Bei der Abgeordnetenwahl vergangenen Sonntag hat er sich für die CDU entschieden.

Insgesamt 28,1 Prozent der Wahlberechtigten in Reinickendorf haben ihr Kreuzchen ebenfalls bei der CDU gesetzt.

Im Wahlkreis sechs, zu dem neben Frohnau auch Hermsdorf und Freie Scholle gehören, war der Stimmanteil für die CDU mit 48,7 Prozent am höchsten. Jürn Jakob Schultze-Berndt heißt der Direktkandidat, der für den Wahlkreis sechs ins Parlament zieht. Der Rentner Winfried Saum setzt große Hoffnung in Schultze-Berndt und die CDU. Er wünscht sich, dass die Partei sich mehr um eine bürgernahe Politik bemüht, als es seiner Meinung nach die SPD tut. "Es war zum Beispiel ein Unding, dass man eine Bürgerpolizei vorschlagen hat, um die Autobrände in den Griff zu kriegen. Es kann doch nicht sein, dass sich die Bürger um alles allein kümmern sollen", sagt Saum. Es riecht nach frisch gestutzter Wiese, die Sonne scheint. Ein paar Kinder mit bunten Schulranzen schlendern vorbei und sammeln Kastanien. In den Cafés rund um den Platz lesen die Menschen Zeitung oder essen Eis.

Ganz anders sieht es im Wahlkreis eins aus, der Reinickendorf-Ost und Teile von Reinickendorf-West umfasst. Am Franz-Neumann-Platz gibt es "Mode zu Superpreisen", einen Discounter, einen Gold An- und Verkauf. Aus einem Döner-Laden plärrt laute Musik, auf der Straße sitzt ein junger Punk und spielt Gitarre. Der Bezirk in Reinickendorf hat den höchsten Anteil an Ausländern und Arbeitslosen. Trotzdem hat auch hier die CDU mit 34 Prozent mehr Wählerstimmen bekommen als die SPD. Integrationspolitik war eines der wichtigsten Themen, mit denen Burkard Dregger, der nun als Direktkandidat ins Abgeordnetenhaus zieht, seinen Wahlkampf bestimmt hat. Der Berliner Rechtsanwalt ist Autor des Integrationspapiers der Berliner CDU. Der Sohn von Alfred Dregger, der von 1982 bis 1991 die Unionsfraktion als Vorsitzender führte, ist von seinem Erfolg in Reinickendorf selbst ein bisschen überrascht. "Ich wusste, dass ich Chancen habe, ich wusste aber auch, dass es schwer sein wird, sie hier zu nutzen", so Dregger. Er habe versucht, die Wähler nicht nur als Politiker, sondern auch Mensch zu überzeugen. "Man kann ja nicht immer für alles eine Lösung haben. Aber manchmal ist genauso wichtig, zuzuhören und mitzufühlen", so Dregger. Der türkische Verkäufer Ali Mehmet (37) findet diesen Ansatz richtig. Nur der CDU traut er zu, dass sie es schafft, verschiedene Kulturen miteinander zu vereinen. "Es geht doch darum, dass Integration keine Einbahnstraße sein darf. Die unterschiedlichen Seiten müssen einen Schritt aufeinander zugehen. Nur so kann man das Beste aus verschiedenen Kulturen zusammenbringen" meint Mehmet. Ein Satz, den vermutlich auch Dregger so unterschreiben würde. Er will, dass Zuwanderer in Berlin akzeptiert werden. "Und vor allem will ich jemand sein, der sich an seine Versprechen hält", so Dregger.

"Ich kenne die Berliner"

Ali Mehmet wünscht sich, dass die sozialen Probleme in Berlin konsequenter bekämpft werden. "Sicherheit, Arbeitslosigkeit, Reichensteuer und Integration", das sind für Mehmet die Schlagworte, auf die sich die Berliner Politik konzentrieren sollte. Er steht jeden Tag an dem Kiosk im U-Bahnhof Franz-Neumann-Platz. Vorher hat er Obst und Gemüse in Neukölln verkauft. "Ich habe den ganzen Tag mit Menschen zu tun. Ich kenne die Berliner" sagt Mehmet. Deshalb hat er sich für die CDU entschieden. Denn für ihn ist die CDU eine Partei, die einerseits nah am Volk ist und andererseits faktenorientierte Politik mache.

Zum Wahlkreis vier in Reinickendorf gehören Wittenau, Waidmannslust, Borsigwalde und Tegel-Ost. Andreas Gram zieht aus diesem Wahlkreis als Direktkandidat ins Abgeordnetenhaus. 39,4 Prozent hat die CDU hier geholt. Günter Sanftleben (54) gehört zu den CDU-Wählern aus Wittenau. Er war enttäuscht von der SPD. "Die haben so viel versprochen und nichts eingehalten. Die CDU ist für mich gewissermaßen das kleinste Übel", sagt er. Seit 2005 arbeitet Sanftleben nicht mehr und bezieht Hartz IV. Seine Frau hatte damals einen Schlaganfall. Seitdem muss sie rund um die Uhr gepflegt werden. Sanftleben hat diese Aufgabe gern übernommen. Aber er wünscht sich mehr Unterstützung von der Politik. "Das Gesundheitswesen muss dringend verbessert werden. Ich bräuchte mehr Geld oder mehr Unterstützung. Dann könnte ich mein Leben ganz anders angehen", meint Sanftleben. Und die CDU liege nun mal am nächsten an seinen Vorstellungen.

Für den Wahlkreis zwei, zu dem Reinickendorf-West, Teile von Tegel-Süd, und Teile von Wittenau gehören, geht Emine Demirbüken-Wegner ins Abgeordnetenhaus. Die CDU wurde hier mit 37,2 Prozent der Stimmen gewählt. Die Direktkandidaten für den Wahlkreis drei (Heiligensee, Konradhöhe, Tegelort, westl. Tegel, Teile von Tegel-Süd, Saatwinkel) und fünf (Lübars, Märkisches Viertel) heißen Manuel Heide und Michael Dietmann. Die CDU erreicht in den beiden Kreisen 43, 6 und 40,7 Prozent.