Radikale Islamisten

Kampflieder für den Attentäter

Die Hauptstadt gehört nach Einschätzung des Berliner Verfassungsschutzes zu den bevorzugten Zielen islamistischer Terroristen. Das geht aus dem Mitte April veröffentlichten Jahresbericht 2010 dieser Behörde hervor.

Die Zahl der gewaltorientierten Islamisten ist dem Bericht des Verfassungsschutzes zufolge im Vergleich zum Vorjahr um 40 auf 450 angestiegen, rund 250 davon gehören der radikalen Hisbollah an. "Wir gehen weiterhin von einer hohen abstrakten Gefährdungslage aus", hat Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) bereits im Frühjahr 2011 gesagt.

Große Sorgen bereiten der Leiterin des Berliner Verfassungsschutzes, Claudia Schmidt, die sogenannten salafistischen Prediger, Vertreter eines fundamentalistischen Zweigs des Islam. Schmidt berichtet, dass Missionierungsaktivitäten, etwa in mehrtägigen Islam-Seminaren, deutlich zugenommen hätten. Der Verfassungsschutz fürchtet, dass die Indoktrinierung die angesprochenen in vielen Fällen radikalisieren könnte.

Einer der bekanntesten Anhänger dieser radikalen Richtung des Islams ist der ehemalige Berliner Rapper Deso Dogg, bürgerlich Denis Cuspert. Mittlerweile nennt er sich Abou Maleeq und bewegt sich in der Salafisten-Szene. Statt Rapmusik produziert er heute sogenannte Kampf-Nashids. Mit den Texten ruft er zum Hass auf alle Ungläubigen und zur Teilnahme am Heiligen Krieg auf.

"Mit seiner Popularität bei den jungen Leuten erscheint er besonders geeignet, in dieser Altersgruppe für die Sache der Salafisten zu werben und zu radikalisieren", sagte Schmidt. In seinen Texten hetzt er gegen Nicht-Muslime und gegen Vertreter eines gemäßigten Islam. Erstere nennt er "dreckige Diener des Satans", Letztere sind für ihn "Angsthasenprediger". Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes ist Cuspert bundesweit aktiv. Um seinem Einfluss auf junge Leute entgegenzuwirken, arbeitet die Behörde mit gemäßigten islamischen Gemeinden und Einrichtungen zusammen.

Auch ist der Verfassungsschutz mit einer umfangreichen Aufklärungsbroschüre über die Salafisten und ihren Propagandisten Cuspert an die Öffentlichkeit gegangen. Wie gefährlich der Einfluss seiner Texte werden kann, zeigt der Fall Arid U. Er hatte im März 2011 am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten erschossen. Ermittlungen ergaben, dass er sich vor dem Anschlag mit Kampfliedern von Cuspert aufgeputscht hatte.

Eine weitere Gefahr sieht Körting in den terroristischen Organisationen, die Täter für Attentate in ihren Heimatländern gewinnen. Zudem registrieren die Behörden einen deutlichen Anstieg von Ausreisen dieser "home-grown terrorists" in Ausbildungslager im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet.