Rückblick

Istanbul, Madrid, London und Frankfurt: Die Spur des Terrors führt durch ganz Europa

Die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA waren eine Zäsur, veränderten die Welt. Der internationale Terrorismus verbreitete Angst und Schrecken, und auch Europa geriet ins Fadenkreuz der Islamisten. Die Morgenpost fasst die wichtigsten Ereignisse kurz zusammen.

15. November 2003: Zwei Selbstmordattentäter reißen bei Anschlägen auf zwei Synagogen in Istanbul 23 Menschen mit in den Tod. Etwa 300 Menschen werden bei den fast zeitgleichen Explosionen der Autobomben verletzt.

20. November 2003: Bei Bombenanschlägen auf das britische Konsulat und eine britische Bank in Istanbul werden mindestens 30 Menschen getötet, darunter auch der britische Generalkonsul Roger Short. Rund 400 werden verletzt.

11. März 2004: Bei einer Serie von Sprengstoffanschlägen auf Nahverkehrszüge in Madrid werden 191 Menschen getötet, etwa 1800 werden verletzt. Die Attentäter griffen am frühen Morgen überfüllte Pendlerzüge an. Sie hatten insgesamt zehn Sprengsätze in ihren Rucksäcken versteckt.

3. Dezember 2004: Die Polizei nimmt während des Berlin-Besuchs des damaligen irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi drei Iraker fest. Sie sollen einen Anschlag auf Allawi geplant haben. Die Anhänger der islamistischen Terrorgruppe Ansar al-Islam werden im Juli 2008 vom Oberlandesgericht Stuttgart zu Haftstrafen zwischen siebeneinhalb und zehn Jahren verurteilt.

7. Juli 2005: Bei nahezu zeitgleichen Selbstmordanschlägen auf öffentliche Busse und U-Bahn-Stationen kommen in London 52 Menschen ums Leben, Hunderte werden verletzt.

31. Juli 2006: Auf dem Kölner Hauptbahnhof werden zwei Kofferbomben in Regionalzügen nach Hamm und Koblenz deponiert, die aber nicht explodieren. Nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft haben nur die mangelnden Chemiekenntnisse des später verurteilten Attentäters ein Blutbad unter den Reisenden verhindert. Anschließend wird bundesweit die Videoüberwachung an Bahnhöfen ausgeweitet.

10. August 2006: Die britische Polizei verhindert nach eigener Darstellung eine Serie von Terroranschlägen auf Flugzeuge und damit einen "Massenmord von unvorstellbarem Ausmaß". 24 Verdächtige sollen geplant haben, Sprengstoff in flüssiger Form auf Transatlantikflüge in die USA zu schmuggeln und in der Luft zur Explosion zu bringen. Auf dem Londoner Flughafen Heathrow werden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

30. Juni 2007: Einen Tag nach der Entdeckung von zwei Autobomben in London rast ein Geländewagen in die Abfertigungshalle des Flughafens Glasgow und geht in Flammen auf. Fünf Menschen werden verletzt. Die Behörden rufen die höchste Terroralarmstufe mit der Bezeichnung "kritisch" aus.

4. September 2007: Die Behörden verhaften drei Terrorverdächtige im Sauerland. Sie werden wegen "Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung, Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags und Verabredung zum Mord" angeklagt. Im März und Oktober 2010 werden die drei Männer und zwei Helfer zu teilweise langjährigen Haftstrafen verurteilt.

29. Oktober 2010: Zwei Paketbomben aus dem Jemen werden entdeckt. Eine der in Druckerpatronen versteckten Bomben war auf dem Flughafen Köln-Bonn zwischengelagert worden. Sie kann erst auf dem britischen Flughafen in Nottingham aus dem Verkehr gezogen werden.

2. November 2010: An Regierungschefs und Botschafter europäischer Staaten werden mehrere Paketbomben verschickt. Im Berliner Kanzleramt finden Sicherheitsbeamte ein an Bundeskanzlerin Angela Merkel adressiertes verdächtiges Paket, das Schwarzpulver enthält. Als Absender war das griechische Wirtschaftsministerium angegeben, der Zustellservice UPS hatte das Paket zuvor angeliefert.

11. Dezember 2010: Bei einem Bombenanschlag in Stockholm detonieren zwei Sprengsätze in einer belebten Einkaufszone der schwedischen Hauptstadt. Der Selbstmordattentäter, ein 28-jähriger irakischstämmiger schwedischer Staatsbürger, kommt durch einen Sprengsatz an seinem Körper ums Leben, zwei Passanten werden durch eine weitere Explosion in einem abgestellten Fahrzeug verletzt.

2. März 2011: Der Kosovare Arid Uka erschießt zwei US-Soldaten am Frankfurter Flughafen, um sie an der Einreise nach Afghanistan zu hindern. Es ist der erste erfolgreiche islamistische Anschlag in Deutschland. Der Gerichtsprozess gegen den Einzeltäter läuft noch.

29. April 2011: Drei Terrorverdächtige werden in Düsseldorf und Bochum festgenommen. Einen Tag später erlässt der Bundesgerichtshof Haftbefehle. Der Generalbundesanwalt in Karlsruhe ermittelt wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Die Männer der "Düsseldorfer Zelle" hatten den Bau eines Sprengsatzes bereits konkret vorbereitet.