CDU

Denkwürdige Wahlplakate und wie sie wirken

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Julian Schick

Um zu wenig Aufmerksamkeit muss sich Lorenz Caffier nicht sorgen. Der CDU-Politiker kandidiert in Mecklenburg-Vorpommern für das Amt des Ministerpräsidenten. Von seinem großflächigen blauen Plakat lächelt er die vorbeifahrenden Autofahrer an. "C wie Zukunft" steht daneben geschrieben.

Der Spruch sorgte in vielen Medien für Spott. Mittlerweile gibt es sogar eine Internetseite mit mal mehr, mal weniger humorvollen Variationen des Slogans - "C wie Wahlkampfdebakel" oder "C wie Leder".

Wolfgang Raike ist PR-Berater und hat schon in einigen Wahlkampagnen mitgeholfen. Er ist skeptisch, ob das Plakat Caffier bei der Wahl helfen wird. "So ein Spruch sorgt vielleicht für Aufmerksamkeit, aber es ist fraglich, ob man damit Wähler mobilisieren kann. Der Spruch hat wenig mit der Lebenswirklichkeit der Wähler zu tun." Trotzdem ist der CDU-Landesverband mit dem Ergebnis der Aktion zufrieden. "Zum Start der Kampagne gab es 300 000 Zugriffe auf die Website", sagt Christian Anders, Sprecher des Landesverbands. "Das sind so viele wie sonst in einem ganzen Monat."

Raike hat zuletzt Veränderungen wahrgenommen: "Die Parteien experimentieren viel. Manchmal mit emotionalen Plakaten, mal mit Spaßkampagnen." Sie hätten gemerkt, dass Porträtfotos der Kandidaten sie nicht mehr weiterbringen. "Die Botschaften müssen berühren, dürfen dabei aber nicht zu platt wirken."

Die Hamburger FDP warb bei der letzten Wahl mit einem Foto von Spitzenkandidatin Katja Suding im gelben Regenmantel. Dazu der Slogan: "Positiv denken, positiv handeln". "Die FDP hat komplett auf Inhalte verzichtet", sagt PR-Berater Raike, "und sie hat damit Erfolg gehabt." Sie schaffte es wieder in die Bürgerschaft.

In Berlin quetscht die FDP im Wahlkampf dafür besonders viel Inhalt auf ihr Plakat, auf das Autofahrer und Passanten nur einen kurzen Blick werfen können. "Die Sprüche sind etwas lang, und der Zusammenhang ist auch schwer zu erfassen", sagt Raike. Die SPD versucht es dagegen mit nur zwei Wörtern: "Berlin verstehen" auf großen Schwarz-Weiß-Fotos. "So ein Plakat schafft viele Fantasien, darunter kann sich jeder etwas vorstellen", sagt der PR-Experte.