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Berliner Studenten

Anita (23), International Business-Management

Ein bisschen für ihre Sparsamkeit bestraft fühlt sie sich. Anita beendet gerade ihr International-Business-Management-Studium und hat in drei von vier Studienjahren BAföG bekommen. "Auch als ich im dritten Jahr im Ausland war, hat das mit dem Auslands-BAföG wunderbar geklappt", erzählt sie. Erst danach bekam sie plötzlich nichts mehr, zu viel Erspartes hatte sie während ihres Praktikums gesammelt, außerdem war ihr Bruder mit dem Studium fertig - Geschwister sind für das Studentenwerk, das das Geld bewilligt, immer ein wichtiger Faktor. "Als ich es noch erhielt, hat das BAföG mein Studium unbeschwerter gemacht", erzählt sie. "Ich musste weniger arbeiten und konnte mich voll aufs Studium konzentrieren." Deshalb findet sie BAföG alles in allem auch ziemlich wichtig. Auch wenn sie jetzt nichts mehr bekommt, sondern eben von Erspartem und ihrem Nebenjob lebt.

Bella (23) Psychologie-Bachelor

Ohne BAföG hätte Bella ihren Psychologie-Bachelor niemals in drei Jahren geschafft. "Das ist schon Luxus, nicht arbeiten zu müssen", sagt die 23-Jährige. Sie hat in Salzburg studiert, was die BAföG-Stelle vor eine Herausforderung stellte. Zehn Monate musste sie auf die erste Zahlung warten. "Aber dann kam richtig viel Geld auf einen Schlag", erzählt sie lachend. Die lange Zeit überbrückte sie mithilfe ihrer Eltern - und ist der Bürokratie nicht allzu böse, schließlich wurde ihr danach das komplette Studium finanziert.

Juliane (23), Master in Literatur- und Kunstwissenschaft

Gute Erfahrungen gemacht hat Juliane, die gerade einen Master macht. "Ich habe vorher in Mannheim studiert und dort kein BAföG beantragt, weil ich bei meinen Eltern gewohnt habe", erzählt die 23-Jährige. "Jetzt bekomme ich einen Zuschuss, meine Eltern helfen mir aber trotzdem noch ein bisschen." Deswegen geht es ihr auch nicht wie vielen in ihrem Jahrgang, die nebenbei arbeiten müssen und deshalb länger als geplant für ihr Studium brauchen. "Ich bin froh, dass ich Geld vom Staat bekomme", sagt sie. Perfekt findet sie das System aber nicht. Durch die viele Bürokratie kam zum Beispiel ihr Auslands-BAföG viel zu spät. Lieber wäre ihr, dass jeder Student einen bestimmten Betrag bekommt, wie in Skandinavien. "Da wird jeder gleich behandelt, niemand ist von seinen Eltern abhängig, und es gibt nicht so viel Papierkram."

Leon (24), Philosophie

Er muss im Kino jobben - weil er kein BAföG bekommt. "Entweder das oder ein schlechtes Gewissen meinen Eltern gegenüber", sagt der groß gewachsene Philosophiestudent. Er kommt aus Konstanz und verbringt gerade seine Ferien in Berlin. Auf BAföG ist er nicht allzu gut zu sprechen, bekommen hat er es nämlich nur ganz kurz. Dann wurde seine Schwester mit dem Studium fertig und Leon heuerte im Kino an. Auch wenn ihn das nervt, er nimmt es gelassen. "Mein Studium basiert ja im Grunde darauf, dass es ein bisschen länger dauert", sagt er. Lebenserfahrung und so. Da könne er auch ein bisschen arbeiten gehen. "Aber eine Sache stört mich wirklich", sagt er und wird energisch. "Jede Kleinigkeit, jedes Vermögen, das man hat, wird mit eingerechnet. Aber Studiengebühren fallen komplett unter den Tisch."

Marie (20), Geschichte

Wenn die Eltern freiberuflich arbeiten, ist das mit dem BAföG gleich noch ein bisschen komplizierter - Marie weiß, wovon sie redet. "Irgendwie habe ich ab dem vierten Semester nichts mehr gekriegt", sagt sie. Dass ihre freiberufliche Mutter plötzlich deutlich mehr verdient hätte, kann sie sich eigentlich nicht vorstellen. "Das ist alles eher undurchsichtig", sagt sie. Jetzt muss sie eben arbeiten, 40 Stunden pro Monat, an der Uni. "Vorher war das schon eine Entlastung, ich fände ein elternunabhängiges BAföG gut." Zuerst hat sie Musik studiert, da hätte sie währenddessen nicht arbeiten können. Aber mit Fleiß und Selbstironie geht das: "Als Geschichtsstudentin hat man schon ein bisschen Zeit zum jobben."