Chronik

Vom Protest bis zum Sturm auf die Hauptstadt

15. Februar: Die Protestwelle aus Tunesien und Ägypten schwappt nach Libyen. In der ostlibyschen Hafenstadt Bengasi kommt es zu Zusammenstößen zwischen Aufständischen, der Polizei und Anhängern von Machthaber Muammar al-Gaddafi. Blutige Kämpfe folgen.

22. Februar: Gaddafis Justizminister Mustafa Abdel Dschalil und Innenminister Abdel Fatah Junes schließen sich den Aufständischen an. Einen Tag später ist der Osten Libyens von der ägyptischen Grenze bis nach Adschdabija in der Hand der Rebellen.

25. Februar: Bengasi wird Rebellen-Hochburg. Die USA verhängen Sanktionen gegen Gaddafi.

26. Februar: Gaddafis Truppen kontrollieren nur noch wenige Großstädte im Westen des Landes, darunter ihre Machtbasis, die Hauptstadt Tripolis. Die Vereinten Nationen beschließen Strafmaßnahmen gegen Gaddafi.

27. Februar: Vermutlich Tausende Menschen sind tot oder verletzt. Die Aufständischen bilden eine Übergangsregierung, spalten sich aber. Ein Teil gründet den libyschen Nationalrat in Bengasi.

28. Februar: Auch die Europäische Union beschließt einstimmig Sanktionen, die am 11. März in Kraft treten. Konten der libyschen Führung etwa bei deutschen Banken werden eingefroren.

2. März: Luftwaffeneinsatz der Gaddafi-Truppen; sie dringen in Rebellengebiete im Osten ein.

5. März: Der libysche Nationalrat fordert eine Flugverbotszone. Erbitterte Kämpfe um strategisch wichtige Städte.

10. März: Frankreich erkennt als erstes Land den Übergangsrat der Rebellen als einzige Vertretung Libyens an.

11. März: Gaddafis Truppen übernehmen die Kontrolle über die Stadt Al-Sawija, später auch den Ölhafen Ras Lanuf und die Hafenstadt Brega.

12. März: Auch die Arabische Liga fordert eine Flugverbotszone.

17. März: Angesichts der drohenden Einnahme der Rebellenhochburg Bengasi billigt der UN-Sicherheitsrat zum Schutz der Zivilbevölkerung eine Flugverbotszone ohne Einsatz von Bodentruppen. Deutschland enthält sich bei der Abstimmung.

19. März: Spitzenpolitiker aus aller Welt stimmen in Paris das weitere Vorgehen ab. Kurz danach starten die USA, Frankreich und Großbritannien einen ersten Militärschlag gegen Libyen.

20. März: Nach heftigen Luftangriffen gegen libysche Militäreinrichtungen droht Gaddafi mit Vergeltung.

23. März: Die Nato beginnt, ein Waffenembargo durchzusetzen.

Ende März: Unklare Lage um die Städte Misrata, Sirte und Ras Lanuf, die Kontrolle wechselt immer wieder zwischen Regierungstruppen und Rebellen.

31. März: Die Nato übernimmt das Kommando des Libyen-Einsatzes.

13. April: Die Libyen-Kontaktgruppe, in der alle am Militäreinsatz beteiligten Staaten vertreten sind, fordert den Rücktritt Gaddafis.

20. April: Nach Großbritannien entsenden auch Frankreich und Italien Militärberater zu den Rebellen.

1. Mai: Gaddafis jüngster Sohn Saif al-Arab wird bei einem Nato-Luftangriff in Tripolis getötet.

28. Mai: Auch Russland fordert den Rücktritt Gaddafis.

13. Juni: Die Bundesregierung erkennt den Übergangsrat in Bengasi als legitime Vertretung des libyschen Volkes an.

27. Juni: Der Internationale Strafgerichtshof erlässt Haftbefehle gegen Gaddafi, seinen Sohn Saif al-Islam und Geheimdienstchef Abdallah al-Senussi.

29. Juni: Frankreich erklärt, Waffen für die Rebellen in den Nefussa-Bergen im Westen des Landes abgeworfen zu haben.

15. Juli: Die Libyen-Kontaktgruppe erkennt den Übergangsrat der Rebellen als die einzige legitime Regierung an.

17. Juli: Der Übergangsrat stellt einen Zeitplan für die Übergabe der Macht an eine demokratische Regierung nach dem Sturz Gaddafis vor.

Juli und August: Schwere Kämpfe, die Nato setzt die Luftangriffe fort. Die Rebellen können wichtige Hafenstädte im Westen und Osten Tripolis' erobern. Auch von Süden rücken sie vor und schließen Gaddafis Machtbasis ein.

20. August: Heftige Gefechte in Tripolis. Die Rebellen kontrollieren nach eigenen Angaben Teile der Hauptstadt. Es gibt viele Tote.