Autobrände

"Ich zittere, die Augen tränen vom Qualm"

| Lesedauer: 3 Minuten

Schreie reißen mich aus dem Tiefschlaf. Das Schlafzimmer ist voller Rauch. Es stinkt. Mein Blick fällt auf den Wecker: 0.50 Uhr. Ich springe aus dem Bett, ans offene Fenster und sehe überall Feuer und Blaulicht.

Hitze schlägt mir entgegen. Die sonst so beschauliche Lindenallee hat sich in ein Flammenmeer verwandelt. Polizisten rufen: "Fenster zu." Es kracht und knallt, auch durch das geschlossene Fenster. Die Flammen steigen immer höher, dann explodiert irgendetwas. Panik erfasst mich.

Die Straße ist eng, gesäumt von Linden - was wenn sie Feuer fangen? Und wo steht überhaupt unser Auto? Weiter hinten in der Straße, aber bis wohin brennt es? Ich zittere, die Augen tränen vom Qualm, der im Zimmer hängt. Endlich kommt die Feuerwehr. Es sind wohl nur ein paar Minuten vergangen, trotzdem kommt es mir vor wie eine Ewigkeit. Ich sehe Nachbarn auf der Straße, ziehe mir schnell Hose und Jacke drüber, will auch hinaus, in meiner Panik nicht allein sein.

Aber was, wenn die Kinder jetzt aufwachen, wenn sie mich rufen, wenn sie das Schreckensszenario auf der Straße sehen und finden mich nicht? Noch haben sie nichts mitbekommen, sie schlafen zur von der Straße abgewandten Seite. Ich warte weiter, laufe ziellos durch die Wohnung. Ein Beamter steht genau vor unserem Haus. Vor einem Mercedes, der "nur" durch einen Schwelbrand betroffen ist. Ich laufe nach unten, frage ihn, wo es überall brennt. Er zeigt schräg gegenüber auf drei Autos. Unser Auto ist nicht dabei.

Es ist nach zwei Uhr, als ich mich wieder ins Bett lege. Die Feuerwehr ist abgerückt, Regen setzt ein, eine gespenstische Ruhe legt sich über die Straße. Schlafen kann ich lange nicht, das Herz schlägt noch bis zum Hals, ich fühle mich plötzlich so schutzlos. Jedes kleinste Geräusch lässt mich wieder hochschrecken.

Als am Morgen der Wecker klingelt, schaue ich zuerst aus dem Fenster, hoffe, dass alles ein Albtraum war. Nein, die völlig ausgebrannten Autos gegenüber führen mir das ganze Inferno der Nacht wieder vor Augen. Aber ich habe keine Zeit, weiter nachzudenken, die Kinder müssen zur Schule, der Alltag muss weitergehen. Erst nachdem die Kinder in der Schule sind, gehe ich zum Auto. Nur zur Sicherheit.

Ich laufe zur nächsten Straßenecke. Da habe ich es geparkt. Aber da steht es nicht. Hat es doch gebrannt und musste umgesetzt werden? Hatte ich falsch geparkt und wurde abgeschleppt? Aber bei der Polizei ist das Kennzeichen nicht registriert, es wurde nicht umgesetzt. Nein, es ist bizarr und auch die Polizei wollte es erst kaum glauben: Aber ausgerechnet in dieser Nacht, in der in der Lindenallee die Autos brannten, wurde mein Auto gestohlen.