Rückblick

Spur der Verwüstung, vor allem in Berlin und Hamburg

Mehrmals in der Woche werden vor allem in einigen deutschen Großstädten Autos in Brand gesetzt. Die Schäden gehen inzwischen in die Millionen, doch die Polizei kann noch immer keine nennenswerten Ermittlungserfolge vorweisen.

Die Hilflosigkeit zeigt sich auch darin, dass das Bundeskriminalamt an die Bürger appelliert, bei der Aufklärung zu helfen. Das, sagt BKA-Chef Jörg Ziercke, sei keine Denunziation, sondern normale Bürgerpflicht. Ein kurzer Rückblick:

Berlin, 10. August 2011 Ein 43-jähriger Autobrandstifter kommt auf Bewährung frei. Der Vorsitzende des Moabiter Schöffengerichts war sich sicher, dass der Vorgeladene nicht mehr versuchen würde, Autos anzuzünden. Der arbeitslose Berliner hatte am 16. Mai in Friedrichshain versucht, einen 1er-BMW in Brand zu setzen. Er bekam Bewährung, allerdings muss er 300 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Die Staatsanwältin sprach in ihrem Plädoyer von einer politisch motivierten Brandstiftung und forderte für den wegen Beschädigung von Kraftfahrzeugen bereits Vorbestraften zwei Jahre und drei Monate - ohne Chance auf Bewährung.

Berlin, 28. Juli 2011 Ermittler des Landeskriminalamtes haben erstmals genaue Angaben zur Häufigkeit. Es sollen in diesem Jahr bereits 240 Fahrzeuge angezündet worden sein. Jeder zweite Anschlag soll politisch motiviert gewesen sein, die andere Hälfte der Brandstiftungen wurde mit Vandalismus und Versicherungsbetrug begründet. Von einer breit organisierten Gruppe aus der linken Szene gehe das Landeskriminalamt nicht aus, vielmehr handle es sich wohl um politisch motivierte Einzeltäter. Angesichts der Zunahme plädierte Ziercke für den Einsatz von verdeckten Ermittlern in der Szene.

Wiesbaden, 15. Juli 2011 Der Präsident des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, appelliert an die Bürger, bei der Aufklärung der Serie der Auto-Brandstiftungen mitzuhelfen. "Jeder sollte sich aufgefordert fühlen, den Brandstiftern das Handwerk zu legen", sagte er und befand: "Das hat nichts mit Denunziation zu tun." Im Gegenteil sei es ganz normale Bürgerpflicht.

Hamburg, 15. Juli 2011 Die Zahl der Autobrände hat sich im Halbjahresvergleich zum Vorjahr bereits verdoppelt. In den vergangenen sechseinhalb Monaten wurden 200 Fahrzeuge angezündet.

Berlin, 20. Juni 2011 Die Polizei steht vor erheblichen Schwierigkeiten. Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) sagt vor dem Innenausschuss, dass es "ungeheuer schwierig" sei, die Täter zu ermitteln. 130 Beamte seien im Einsatz. Vor allem Autos der Marken Mercedes, Audi und BMW seien Ziel der Anschläge, aber auch Firmenwagen großer Unternehmen. Laut Statistik werden die Anschläge zwischen 22.30 Uhr und 7.15 Uhr verübt, vor allem dienstags, mittwochs und sonnabends, mit Schwerpunkt in Friedrichshain, Mitte und Pankow.

Berlin, 16. Juni 2011 In der Nacht brannten in Friedrichshain mehrere Fahrzeuge. Gegen vier Uhr standen in der Rigaer Straße ein Audi, ein Seat und ein Renault in Flammen. Alle Autos brannten vollständig aus. Kurze Zeit später entdeckte eine Zivilstreife einen weiteren Audi und einen Mercedes, die gerade anfingen zu brennen. Die Fahndung war noch nicht erfolgreich.

Hamburg, 2. Mai 2011 In mehreren Stadtteilen haben in der Nacht Autos gebrannt. Es wurden 18 Autos zerstört oder beschädigt. Im Ortsteil Barmbek gelang es der Polizei später, sieben Verdächtige festzunehmen.

Düsseldorf, 18. April 2011 Im Ortsteil Meerbusch brennen in der Nacht in vier dicht beieinander liegenden Straßen acht Autos. Darunter auch ein Audi A4 eines Familienvaters. Im vergangenen Jahr gab es in dem Ort bereits eine Brandserie. Die Modelle reichten vom VW Touran bis zum kleinen Polo.

Berlin, 5. Oktober 2010 Im Prozess um eine politisch motivierte Autobrandstiftung wurde ein 25-jähriger Niederländer vom Amtsgericht Tiergarten freigesprochen. Der Mann wird für eine dreimonatige Untersuchungshaft entschädigt. Obwohl etliche Indizien gegen ihn gesprochen hätten, habe keines für einen Schuldspruch genügt. Für die Ermittler ein erneuter Rückschlag.