Koordination

Die Randalierer verabreden sich übers Blackberry

Seien es Proteste im Iran oder die Revolutionen in den Ländern Nordafrikas: All diese Massendemonstrationen und Revolten gingen als "Facebook-Proteste" in die Geschichte ein. Doch die, die dieser Tage London in Angst und Schrecken versetzen, meiden Online-Netzwerke sogar.

Die Ausschreitungen werden nicht auf Plattformen wie Facebook und Twitter koordiniert, sondern vor allem auf den Geräten eines Handytyps: dem Blackberry und dessen eigenem Kurznachrichtendienst Blackberry Messenger (BBM).

Während zunächst reflexartig die Runde machte, der Aufstand werde über die bekannten Plattformen organisiert, analysierten britische Medien: Die Randalierer benutzen BBM. Einst waren die eher klobigen Blackberrys die Hochleistungshandys der Manager. Doch spätestens seit Apple vor drei Jahren mit seinem iPhone sogenannte Smartphones für die Masse attraktiv gemacht hat und Google sein Handysystem Android sogar verschenkt, hat Blackberry seine Preise radikal gesenkt. Moderne Handys, die einst Anzugträger schmückten, wurden zur Massenware. Weit mehr als jeder dritte britische Jugendliche trägt ein Blackberry mit sich herum. Die Randalierer machen sich dabei eine Besonderheit zunutze: Beim Kurznachrichtendienst BBM müssen sich die Nutzer gegenseitig als Kontakte bestätigen, um mitlesen zu können. Die Polizei erfährt von neuen Attacken so im Zweifel erst, wenn der gewaltsame Mob bereits losgelegt hat. Die Nutzung des BBM ist kostenlos. Die Nachrichten werden verschlüsselt.

Blackberry-Hersteller RIM aus Kanada will den Ermittlern helfen. Per Twitter meldeten die Kanadier: "Wir haben Kontakt zu den Behörden aufgenommen, um sie so gut wie möglich zu unterstützen." Daraufhin wurde RIM Ziel einer Cyber-Attacke. "Sie werden der Polizei nicht helfen", forderten die Hacker mit ihrem Eintrag, der zeitweise auf der Konzernseite blogs.blackberry.com zu sehen war.

Die Macht der Technologie zeigte sich auch nach den Krawallen: Über Twitter organisieren sich Bürger, um die verwüsteten Stadtteile aufzuräumen.