Sicherheit

Die Retter kamen mit ihren Fischerbooten

Er hat nur wenig geschlafen seit Freitag. Das, was geschehen ist, lässt ihm keine Ruhe. Marcel Gleffe (32) saß beim Kaffee auf dem Campingplatz gegenüber der Insel Utøya, als Anders Breivik dort wütete und ihm 86 Jugendliche zum Opfer fielen.

"Ich habe Schüsse gehört und Qualm gesehen", sagte der Dachdecker gegenüber n-tv. "Zunächst dachte ich, es sei ein Feuerwerk." Der Deutsche lebt seit zweieinhalb Jahren in Norwegen und macht derzeit Urlaub, rund 600 Meter Luftlinie von Utøya entfernt. Gleffe sah Menschen im Wasser vor dem Ufer der Insel und hörte sie um Hilfe rufen. Er setzte sich in sein Fischerboot und hielt auf die Jugendlichen zu. Diese riefen, er solle nicht dichter herankommen, doch er zog einen nach dem anderen aus dem Wasser. Er kehrte zur Mole des Campingplatzes zurück, um sie abzusetzen, fuhr erneut hinaus, immer wieder. Mehr als 20 Jugendliche rettete er auf diese Weise. Er war einer der ersten Helfer vor Ort.

Kasper Ilaug hielt den Anruf eines Freundes für einen Witz. "Du musst mit einem Boot zur Insel Utoya fahren und Leute retten, etwas Schreckliches passiert dort!" Bis dahin war es ein beschaulicher Nachmittag für den 53-jährigen IT-Spezialisten gewesen, wie er CNN berichtete. Doch die Aufregung in der Stimme seines Freundes alarmierte ihn. Als er sich eine Viertelstunde später mit seinem Fischerboot der Insel näherte, schwammen vor den Felsen Jugendliche. Er zog sie in sein Boot und brachte sie zu den Ambulanzen am Festland. Noch zwei Mal fuhr er zur Insel, um sie alle aufzunehmen. Damit sie ihn besser sehen konnten, trug er eine knallgelbe Jacke und einen roten Helm. "Ich wusste, dass ich so die perfekte Zielscheibe abgebe", sagte er. "Aber ich musste es tun."