Merkel und Sarkozy

"Ein wichtiger Schritt, weitere müssen folgen"

Nicolas Sarkozy nahm sich zur Sicherheit lieber ein Zimmer in Berlin. Der französische Staatspräsident sollte am späten Nachmittag eintreffen, um sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über eine gemeinsame Linie im Zusammenhang mit der Griechenland-Rettung und Euro-Krise zu verständigen.

Um halb sechs wurde er im Ehrenhof des Kanzleramts erwartet. Für die anschließenden Gespräche gab es keine festgelegte zeitliche Begrenzung. Erst an diesem Donnerstagmorgen wollten beide Politiker - getrennt - von Berlin nach Brüssel zum Euro-Sondergipfel reisen.

Ratlosigkeit und Nervosität, das sind die häufigsten Vokabeln, mit denen im politischen Berlin die Lage beschrieben wird. Wenige Stunden vor dem Sondergipfel war noch vollkommen unklar, mit welcher Position die Bundesregierung auftreten wird, welches der verschiedenen Modelle zur Griechenland-Rettung sie favorisieren wird. Das Treffen Merkels mit Sarkozy ist ein Beleg für die vorherrschende Unsicherheit. Es kam zustande, weil sich ausgerechnet die beiden wichtigsten Staaten der Euro-Zone bislang nicht verständigen können. Am Dienstag hatten Merkel und Sarkozy telefoniert, doch das Gespräch brachte keine Klarheit. In den entscheidenden Punkten blieb man uneinig. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" hat Merkel auf einer substanziellen Beteiligung des Privatsektors am zweiten Hilfspaket für Griechenland beharrt. Sarkozy wiederum habe sich hinter die Idee einer Sondersteuer für den Finanzsektor gestellt und für eine Ausweitung des aktuellen Rettungsfonds auf vorbeugende Maßnahmen geworben. Noch am Mittwoch beharrte Berlin auf der privaten Gläubigerbeteiligung. Es gehe dabei auch darum, "Gerechtigkeit zu erzeugen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Beteiligung Privater sei für die Bundesregierung ein eminent wichtiger Wert.

Überzogene Hoffnungen an den Gipfel dürften aber wohl enttäuscht werden. "Es steht ein wichtiger Schritt an, dem aber noch weitere Schritte folgen müssen", sagte der Regierungssprecher und versuchte so, die Erwartungen schon mal im Vorfeld zu dämpfen. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso verlangt jedoch von den Euro-Ländern mehr als nur ein Schrittchen. Er rief sie auf, jetzt konkrete Beschlüsse zum Schutz der gemeinsamen Währung zu fassen. "Die Situation ist sehr ernst. Sie erfordert eine Antwort, ansonsten werden die negativen Folgen überall in Europa und darüber hinaus spürbar sein", sagte er.

Meistgelesene