Restaurant

"Habe ihn zu seinem Schutz des Lokals verwiesen"

Nach dem Eklat um den von Kameras begleiteten Besuch von Thilo Sarrazin in Berlin-Kreuzberg hat sich jetzt jener Kellner zu Wort gemeldet, der den umstrittenen Buchautor des Lokals verwiesen hatte.

Er habe Angst um die Sicherheit von Sarrazin und die des Restaurants "Hasir" gehabt, weil die wütende Menge davor immer größer wurde, sagte Mehmet Özcan der "Süddeutschen Zeitung". "Ich kann doch nicht verhindern, dass irgendein Spinner einen Stein schmeißt", fügte er hinzu.

Auch Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) meldete sich in der Debatte erneut zu Wort. Er warf den Kreuzberger Sarrazin-Gegnern mangelnde Diskussionskultur vor. Die Protestler gingen offenbar davon aus, die Wahrheit für sich gepachtet zu haben, was "normalerweise das Wesensmerkmal von totalitären Systemen" sei, sagte Buschkowsky dem Nachrichtensender N24. Er hätte sich gewünscht, dass die Kreuzberger Migranten das Gespräch mit seinem Parteifreund Sarrazin gesucht und ihm gesagt hätten, "wie sie sich von ihm auf den Schlips getreten fühlen".

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), forderte Gespräche statt Aggression. "Unsere Demokratie lebt von Grundwerten wie Toleranz und der friedlichen Auseinandersetzung mit Andersdenkenden", sagte Böhmer der "Bild"-Zeitung. Böhmer betonte, es sei der falsche Weg, sich der Diskussion zu verweigern. "Nur im gegenseitigen Austausch, notfalls auch im Streit, lassen sich Hürden überwinden und Vorurteile abbauen."

Der türkischstämmige FDP-Bundestagsabgeordnete Serkan Tören sagte: "Diese Art von Anfeindungen gegen Thilo Sarrazin sind nicht in Ordnung und wenig zielführend. Ich hätte mir gewünscht, die Leute hätten den Dialog mit ihm gesucht."

Eine vollkommen andere Auffassung vertritt der Deutsche Kulturrat. "Es ist wirklich mehr als peinlich, wenn ,Aspekte', ein renommiertes Kulturmagazin, es offensichtlich nötig hat, einen solch vorhersehbaren Eklat zu inszenieren", sagte deren Geschäftsführer Olaf Zimmermann.

"Aspekte"-Redaktionsleiter Christhard Läpple konterte, Ziel der Sendung "war es nicht, Krawalle zu inszenieren, sondern ein Gespräch in Gang zu setzen". Genau dafür habe man die kurdisch-türkischstämmige Fernsehjournalistin Güner Balci beauftragt, die Sarrazin ein Jahr nach dem Erscheinen seines Bestsellers "als Buchautor und als deutsches Phänomen" porträtieren sollte. Zu diesem Zweck habe es die Verabredungen zu Gesprächen im alevitischen Kulturzentrum sowie in dem Restaurant "Hasir" gegeben. Läpple hält es für möglich, dass einige der Protestierenden von der alevitischen Gemeinde über Sarrazins Besuch informiert worden waren. Dem hielt Zimmermann entgegen: "Wer Thilo Sarrazin unter sichtbarer filmischer Beobachtung durch Berlin-Kreuzberg und Neukölln schickt, kalkuliert mit "wütenden Reaktionen". Zwar könnten die Verantwortlichen im Zweiten Deutschen Fernsehen nun mit höheren Einschaltquoten rechnen, doch habe die Seriosität des Kulturmagazins Schaden genommen, sagte Zimmermann weiter.

Der Türkische Bund Berlin-Brandenburg (TBB) bezeichnete den Kreuzberg-Besuch Sarrazins als "Provokation". Sarrazin gelte nicht nur bei Muslimen, sondern auch bei Deutschen als Populist, sagte TBB-Sprecher Hilmi Kaya Turan. "Wenn so einer samt Fernsehteam jetzt plötzlich nach Kreuzberg kommt, um angeblich einen kulturellen Dialog zu führen, dann will er wahrscheinlich bald ein neues Buch veröffentlichen."

Auch der Berliner Bundestagsabgeordnete der Grünen, Hans-Christian Ströbele, zeigte Verständnis für die Wut der Gegner Thilo Sarrazins. Und auch für deren Unwillen, mit dem umstrittenen Autor zu diskutieren. "Herr Sarrazin hat auch mir gegenüber schon eine Diskussion seiner diskriminierenden und beleidigenden Thesen verweigert und zeigt sich völlig uneinsichtig", erklärte Ströbele. Gleichwohl dürften persönliche Beleidigungen kein Mittel der Debatte sein, schränkt er ein.