Standard & Poor's

Ratingagentur wehrt sich gegen Kritik an ihren Bewertungen

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) wehrt sich gegen Kritik aus der Politik, sie würde die Euro-Krise durch ihre Bonitätsbewertungen noch verschärfen.

"Man sollte Ursache und Wirkung nicht verwechseln. Ratings funktionieren wie ein Fieberthermometer bei einem Grippekranken: Sie messen die Temperatur, beeinflussen diese aber nicht", sagte Torsten Hinrichs, Deutschland-Chef von S&P, der Berliner Morgenpost. "Unsere Aufgabe ist es, den Märkten mit unseren Ratings eine unabhängige Meinung zur Bonität von Schuldnern anzubieten." Das habe wohl nicht jeder verstanden, sagte Hinrichs - eine spitze Replik auf EU-Justizkommissarin Viviane Reding.

Reding gibt den drei großen Ratingagenturen - neben S&P noch Moody's und Fitch - Mitschuld an der Krise und hatte sich für ihre "Zerschlagung" ausgesprochen: "Europa darf sich nicht von drei US-Privatunternehmen kaputt machen lassen." Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Joachim Poß, forderte, die "aufsichtsrechtliche Bedeutung von Ratings" zu reduzieren. Wer Portugal, Griechenland oder Italien Geld leiht, soll sich also lieber selbst eine Meinung bilden, als sich auf die Einschätzung der Agenturen zu verlassen. Entbrannt war die Diskussion darüber, ob die Politik ihren Einfluss beschneiden müsse, nachdem Moody's die Kreditwürdigkeit Portugals Anfang Juli auf Ramschniveau herabgestuft hatte. Das hatte einen Kurssturz der Börse in Lissabon ausgelöst.