Schäuble beliebtester Politiker

Bürger wollen Steinbrück als Kanzler

Finanzminister sind gewöhnlich nicht beliebt. Sie wollen das Geld zusammenhalten, sie sperren sich gegen zusätzliche Ausgaben, seien sie noch so sympathisch - und zuweilen wettern sie gar gegen Steuersenkungen.

Wolfgang Schäuble (CDU) steht hier ganz in der Tradition seiner Vorgänger. Er aber ist beliebt wie kein anderer Politiker. 57 Prozent der Bürger sind mit Schäubles Arbeit sehr zufrieden oder zufrieden, wie der Deutschlandtrend von Infratest Dimap für die ARD-"Tagesthemen" ermittelt hat. Dafür wurden 1000 Bürger befragt.

Auf Rang zwei folgt Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU, 56 Prozent) und dann ein Mann, der einst ebenso Finanzminister war und der längst als möglicher Kanzlerkandidat der SPD gilt: Peer Steinbrück (54 Prozent). Er liegt damit knapp vor Oppositionsführer Frank-Walter Steinmeier (51 Prozent). Erst danach bekleidet Kanzlerin Angela Merkel (CDU, 49 Prozent) den fünften Platz.

Bei einer Direktwahl des Regierungschefs hätte Merkel sowohl gegen Steinbrück als auch gegen Steinmeier, ihrem erfolglosen Herausforderer von vor zwei Jahren, das Nachsehen. Im Direktvergleich würden 48 Prozent der Bürger Steinbrück wählen und 37 Prozent Merkel. Im Mai lagen beide mit jeweils 43 Prozent noch gleichauf. Stünden Steinmeier und Merkel zur Wahl, erweist sich der Vorsprung des SPD-Kandidaten als geringer: Steinmeier käme demnach auf 43 Prozent, Merkel auf 39 Prozent. Bemerkenswert ist, dass Steinbrück auch Anhänger der Sozialdemokratie weitaus stärker mobilisieren kann. Während 87 Prozent von ihnen Steinbrück wählen würden, sagen dies mit Blick auf Steinmeier nur 60 Prozent.

Über die amtierende Kanzlerin haben die Bürger ein zwiespältiges Bild. Zum einen fordern sie von Angela Merkel mehr Führung in der Bundesregierung (85 Prozent), zum anderen sind vier von fünf Bürgern überzeugt, Merkel vertrete das Land in der Welt gut. Jeweils zwei Drittel der Befragten aber offenbaren eine deutliche Enttäuschung mit der seit sechs Jahren amtierenden Kanzlerin. Sie geben an, Merkel lasse nicht erkennen, wofür sie stehe - und sie habe während der großen Koalition eine bessere Arbeit geleistet als in der schwarz-gelben Bundesregierung. Das Gesamtfazit für Merkel fällt indes freundlich aus: 61 Prozent der Bürger bescheinigen ihr, sie "hat alles in allem eine gute Arbeit als Kanzlerin gemacht".

In der aktuellen Sonntagsfrage jedoch schlägt sich diese leidliche Zufriedenheit nicht nieder. Die Unionsparteien kommen demnach auf 32 Prozent, das ist ein Prozentpunkt weniger als im Juni. Die SPD kommt zurzeit auf 26 Prozent (plus eins), die Grünen auf 23 Prozent (minus eins). Die Linke verharrt bei acht Prozent, die FDP bei fünf Prozent. Dieser Umfrage nach besäßen SPD und Grüne eine Kanzlermehrheit im Bundestag.

Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs und der sinkenden Arbeitslosenzahl betrachten die Bürger die Lage kaum besser als im Mai. Elf Prozent nennen die ökonomische Verfassung Deutschlands "sehr gut" (plus fünf), 55 Prozent bezeichnen sie als "gut" (minus vier). Die persönliche wirtschaftliche Lage wird sogar als weniger "(sehr) gut" aufgefasst als noch im Mai. Fast drei von vier Bürgern stellen fest: "Nein, ich profitiere nicht vom Wachstum." Nur 26 Prozent sehen einen solchen persönlichen Profit.

Ein differenziertes Bild zeigt sich hinsichtlich der Steuerpolitik. Gefragt, ob es - wie von den Vorsitzenden der Koalitionsparteien jüngst angekündigt - Steuersenkungen zum 1. Januar 2013 geben soll, sind die Bürger uneins. 48 Prozent finden dies richtig, 49 Prozent nicht. Wird aber nach der Alternative gefragt, Steuern zu senken oder weniger Schulden zu machen, plädiert eine große Mehrheit für eine Konsolidierung, mithin gegen Steuersenkungen. 70 Prozent sagen: "Weniger neue Schulden machen ist wichtiger." 24 Prozent sind der Auffassung: "Steuern senken ist wichtiger." Nur unter den Anhängern der FDP plädieren mehr Befragte (43 Prozent) für eine Priorität für Steuersenkungen vor dem Schuldenabbau (27 Prozent).